Zeit 04.03.2026
05:26 Uhr

Missstände an Schulen: "Für viele meiner Kollegen ist der Schüler der Feind"


Und die Eltern sind der noch größere Feind. Hier erzählen Lehrkräfte, welche Strukturen ihnen die Arbeit erschweren – und wie sich das ändern ließe.

Missstände an Schulen:
Schulen sollen Kindern vor allem Wissen und Orientierung vermitteln. Doch vielerorts wirkt es so, als müsse das System vor allem eines: nicht zusammenbrechen. Im vergangenen Schuljahr wurden in Deutschland rund 11,4 Millionen Kinder und Jugendliche unterrichtet. Das entspricht einem Anstieg von knapp einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Mehr Schüler, größere Klassen – das bedeutet mehr Arbeit für die Lehrkraft. Der Grundschullehrer Markus Hoppe* hat etwa das Gefühl, den einzelnen Kindern in seiner Klasse nicht gerecht werden zu können. Er ist einer von rund 90 Lehrkräften, die sich auf unseren ZEIT-Leseraufruf gemeldet haben, was sich an Schulen verbessern müsste. "In einer Klasse sitzen Kinder, die intellektuell sehr fit sind, direkt neben anderen, die völlig den Anschluss verlieren", sagt Hoppe. Oft fehle eine gemeinsame Sprache. Es müsse viel mehr in die Schulen investiert werden, findet Hoppe. Ansonsten sei Inklusion lediglich ein schönes Wort: "In der Realität werden viele Kinder einfach nur verwahrt." Sonderlich viel Geld ist für Bildung tatsächlich nicht vorgesehen. Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft gab Deutschland im Jahr 2023 für Bildung nur neun Prozent aller Mittel aus – Österreich, die Schweiz und auch die nordischen Länder investierten deutlich mehr. Dazu kommt der Personalmangel. Bis 2035 fehlen etwa 49.000 ausgebildete Lehrkräfte, um alle offenen Stellen zu besetzen. Das hat auch Folgen für Lehrerinnen und Lehrer. "Die zahlreichen Nebenfächer können an meiner Schule wegen des Personalmangels oft nicht angeboten werden", sagt Hoppe beispielsweise. Seine Kollegen und er müssten sich auf Kernfächer wie Mathe und Deutsch konzentrieren. Respektlose Schüler, unflexibler Unterricht Andere Lehrkräfte, die sich bei uns gemeldet haben, berichten von respektlosen Schülern und Eltern, die ihnen drohen. Einige Jugendliche würden regelmäßig den Unterricht schwänzen, Sanktionsmöglichkeiten gebe es zu wenig, sagt eine Berufsschullehrerin. Ein anderer Lehrer erzählt, wie schwierig es sei, den Kindern den richtigen Umgang mit künstlicher Intelligenz und sozialen Medien zu vermitteln. Viele Schüler seien überfordert durch die Inhalte, die da auf sie einprasseln. Zu wenig Zeit für zu viele Aufgaben – das ist ein Problem, das einige der Lehrkräfte nennen. Unflexibler Unterricht und starre Regeln ein anderes. Was die meisten eint, die sich bei uns gemeldet haben, ist ihre Überforderung im Arbeitsalltag. Viele von ihnen haben aber auch konkrete Vorschläge, was man verbessern könnte. Hannah Vorreiter* erzählt, dass es an ihrer Berufsschule einen sogenannten Reflexionsraum gibt. Schüler, die sich im Unterricht streiten oder ihn stören, schicke sie dorthin. In dem Raum befinde sich immer eine Lehrkraft, die sich um die Schüler kümmert und zwischen ihnen vermittelt. Vorreiter selbst kann sich in der Zwischenzeit auf ihren Unterricht konzentrieren. Hier erzählen acht Lehrerinnen und Lehrer, was aus ihrer Sicht an Schulen schiefläuft – und wie sich das ändern ließe. Dieser Artikel wurde durch die Perspektiven unserer Leserschaft bereichert. Hier finden Sie alle Stimmen-Texte . *Die Namen der Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner sind zum Schutz vor beruflichen Nachteilen geändert. Die richtigen Namen sind der Redaktion bekannt.