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05.02.2026
17:01 Uhr
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Eine neue Missbrauchsstudie spricht von verbreiteten Problemen im größten deutschen Pfadfinderverband Sankt Georg. Der Vorstand will sich der Verantwortung stellen.

Sexueller Missbrauch ist im größten deutschen Pfadfinderverband Sankt Georg (DPSG) ein weit verbreitetes strukturelles Problem . Das zeigt ein Forschungsprojekt, das vom DPSG selbst in Auftrag gegeben und in Köln vorgestellt wurde. Ziel war es, das Vorkommen von und den Umgang mit sexueller Gewalt zu untersuchen. Der DPSG ist Mitglied im Bund der deutschen katholischen Jugend. Die DPSG-Bundesvorsitzende Annkathrin Meyer bat die Betroffenen um Entschuldigung und erkannte ihr Leid an. "Gemeinschaft, Macht, Nähe und ein spiritueller Überbau öffnen den Raum für sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen", sagte die Leiterin des Projekts, Professorin Sabine Maschke von der Universität Marburg. Besonders gefährdet seien Kinder und Jugendliche bei Gemeinschaftsaktivitäten wie Zeltlagern. Auch Rituale würden Missbrauch begünstigen. Dabei seien die Täter meist männliche Gruppenleiter, die ihre Machtposition ausnutzen. Oft sei Alkohol im Spiel. Maschke: Grundlegender Umbau der Verbandsstrukturen notwendig "Das Problem sexualisierter Gewalt reicht tief in die verbandlichen Strukturen der DPSG hinein", sagte Maschke. Um sexualisierte Gewalt einzudämmen, sei daher ein "tiefgreifender Umbau der Verbandsstrukturen nötig". Betroffene müssten dabei miteinbezogen werden. Sie empfahl zudem ein externes Gremium. Dem Co-Vorsitzenden des Verbands, Sebastian Becker, zufolge will der Bundesvorstand sich der Verantwortung stellen und Aufarbeitung betreiben. Es gelte, bestehende Strukturen grundlegend zu überdenken und einen sichereren Ort für die Mitglieder zu schaffen. Viele Bistumsarchive kooperierten nicht Ein Forschungsteam der Universitäten Marburg und Gießen hatte seit 2023 im Auftrag der DPSG sexuelle Gewalt im Verband untersucht und dafür Akten ausgewertet und Interviews mit Betroffenen geführt. Die Befragungen sind laut Ludwig Stecher von der Universität Gießen nicht repräsentativ. Wie viele Menschen sexuelle Gewalt in der DPSG erleben mussten, lasse sich nicht ableiten. Es fehle ausreichend Material, viele kirchliche Bistumsarchive hatten keines zur Verfügung gestellt. Redaktionshinweis: In einer früheren Fassung dieser Meldung wurde Ludwig Stecher fälschlicherweise der Universität Marburg zugeordnet, tatsächlich arbeitet er an der Universität Gießen. Wir haben den Fehler korrigiert.