Zeit 27.01.2026
11:19 Uhr

Minneapolis: Schwester von Alex Pretti wehrt sich gegen Falschdarstellungen


Die Familie des erschossenen Krankenpflegers beklagt, dass "widerliche Lügen" über Alex Pretti verbreitet werden. Er habe stets nur helfen wollen, sagt seine Schwester.

Minneapolis: Schwester von Alex Pretti wehrt sich gegen Falschdarstellungen
Die Schwester des von Grenzschutzkräften in Minneapolis erschossenen Krankenpflegers Alex Pretti hat sich gegen Falschdarstellungen über ihren Bruder gestellt. Micayla Pretti bezeichnete in einer Stellungnahme ihren 37-jährigen Bruder als ihren Helden und beklagte, nach seinem Tod seien "widerliche Lügen" über ihn verbreitet worden. "Alles, was Alex jemals wollte, war, jemandem zu helfen – egal wem", sagte sie. "Selbst in seinen letzten Augenblicken auf Erden hat er nur versucht, genau das zu tun." "Wann nimmt das ein Ende? Wie viele unschuldige Leben müssen noch verloren gehen, bevor wir endlich genug haben?", fragte Micayla Pretti. Die Eltern des Getöteten nannten die Aussagen der US-Regierung über ihren Sohn "abstoßend" und forderten, die Wahrheit über ihn zu verbreiten. Alex Pretti, der auf der Intensivstation eines Krankenhauses für Veteranen arbeitete, wurde am vergangenen Samstag von einem Angehörigen der für die Grenzsicherung zuständigen Border Patrol mit mehreren Schüssen getötet. Die Tötung ereignete sich während Protesten gegen das Vorgehen der Bundesbehörden bei Abschiebungen in der Stadt. Die von der ZEIT und mehreren US-Medien analysierten und verifizierten Handyvideos zeigen Pretti mit einem Mobiltelefon in der Hand, während er den Einsatz filmte und eine Frau vor den Einsatzkräften der Border Patrol schützte. In keiner der Aufnahmen ist eine Waffe in seiner Hand zu erkennen. Der Polizeichef von Minneapolis bestätigte, dass Pretti eine legale Waffenerlaubnis besaß und keine Vorstrafen hatte. Nach Angaben von NPR gibt es bislang keine unabhängig verifizierten Hinweise darauf, dass Pretti seine Waffe zu irgendeinem Zeitpunkt gezogen oder auf jemanden gerichtet hätte. Im Widerspruch zu diesen Videoaufnahmen behaupten die US-Behörden, Pretti habe sich den Einsatzkräften mit einer Waffe genähert. Die Schüsse seien in Notwehr gefallen. Stephen Miller, Vizestabschef des Weißen Hauses, bezeichnete Pretti bereits wenige Stunden nach dessen Tötung als "Terroristen". Grenzschutzkommandeur Gregory Bovino nannte Pretti einen Verdächtigen und die Einsatzkräfte des Bundes Opfer. Für keine dieser Behauptungen legten die Behörden Belege vor. Unklarheit über Abzug von Bovino Unterdessen bemüht sich US-Präsident Donald Trump um Schadensbegrenzung. Er habe ein "sehr gutes Telefongespräch" mit dem Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, geführt und wolle mit ihm zusammenarbeiten, schrieb Trump in seinem Onlinedienst. Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, kündigte nach einem Telefonat mit Trump den Abzug einer unbestimmten Anzahl von Behördenmitarbeitern aus der Stadt ab Dienstag an. In dem Telefonat habe Trump zugestimmt, dass "die aktuelle Situation nicht weitergehen kann", schrieb Frey auf X. Zugleich kündigte Trump die Entsendung seines Grenzschutzbeauftragten Tom Homan nach Minnesota an. Homan werde "direkt an mich berichten", schrieb Trump. Unklarheit herrschte über einen möglichen Abzug des Grenzschutzkommandeurs Bovino aus Minnesota. US-Medien berichteten davon, doch die stellvertretende Heimatschutzministerin Tricia McLaughlin wies dies auf X zurück. Bovino sei "nicht von seinen Pflichten entbunden" worden. Auch die US-Justiz befasst sich mit dem Vorgehen der Bundesbeamten. Eine Bundesrichterin prüfte US-Medienberichten zufolge eine Klage der Behörden Minnesotas gegen den Einsatz von Bundeskräften in dem Bundesstaat. In einem weiteren Fall prüfte eine Richterin einen Antrag, Angehörige der Bundesbehörden zur Sicherung von Beweismitteln im Fall der Tötung Prettis zu verpflichten.