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10.01.2026
20:56 Uhr
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Angesichts der Proteste in Minneapolis warnt Bürgermeister Jacob Frey vor einem "Köder" des US-Präsidenten. Rechtswidrige Handlungen würden Trump in die Hände spielen.

Nach der tödlichen Erschießung einer Autofahrerin durch einen US-Einwanderungsbeamten in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota hat der Bürgermeister der Stadt, Jacob Frey, zu gewaltfreiem Protest aufgerufen. "Wir werden Donald Trumps Chaos nicht mit unserem eigenen Chaos begegnen. Er will, dass wir den Köder schlucken", sagte Frey. Rechtswidrige Handlungen würden Präsident Donald Trump in die Hände spielen. Die 37-jährige Renee Nicole Good war am Mittwoch von einem Beamten der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE in ihrem Auto erschossen worden. Daraufhin war es in Minneapolis zu Protesten gekommen. In der Nacht auf Samstag wurden dabei nach Polizeiangaben 29 Menschen festgenommen. Ein Polizist sei verletzt worden. Für das Wochenende sind landesweit weitere Proteste angekündigt. Der Sender CNN berichtete von über 1.000 angemeldeten Demonstrationen. Auch in Portland im US-Bundesstaat Oregon gab es Proteste. Am Ufer des Willamette River versammelten sich mehrere Hundert Menschen, um gegen das brutale Vorgehen der Abschiebebehörde ICE zu demonstrieren. Die Menschen riefen: "Abolish ICE!" (Schafft ICE ab) und "USA under attack, what do we do? Stand up, fight back" (Wenn die USA von innen angegriffen werden, stehen wir auf und kämpfen). Stadträtin Angelita Morillo sprach sich in ihrer Rede unter anderem für sogenannten due process aus, also rechtsstaatliche Verfahren, die von ICE festgenommene Menschen nicht erhalten, wenn sie auf offener Straße von maskierten Beamten verschleppt werden. Der in Minneapolis getöteten Renee Nicole Good gedachten die Demonstrierenden in Portland mit einer Schweigeminute. Neues Videomaterial des Vorfalls veröffentlicht Am Freitag wurde zudem ein neues Video bekannt, dass das Aufeinandertreffen der Frau und des Beamten, kurz bevor dieser tödliche Schüsse auf sie abgab, zeigt. Die Webseite "Alpha News" veröffentlichte die Aufnahme, das Heimatschutzministerium und Vizepräsident JD Vance teilten das Video später. Sie sehen das Video als Beweis, dass der Beamte aus Selbstverteidigung auf die Fahrerin schoss, weil er sich in Gefahr sah. Nach Darstellung des US-Heimatschutzministeriums soll die Frau versucht haben, den Beamten mit ihrem Auto anzufahren. Das Video soll von dem Beamten aufgenommen worden sein, der auf die Frau schoss. Weitere Videos zu dem Vorfall zeigen, wie die Frau mit ihrem Wagen nach einem Gespräch wegfahren will und am Steuer erschossen wird. Sie hatte vor der Auseinandersetzung ihre Tochter zur Schule gebracht. Die Tat ereignete sich kurz nach der Entsendung von etwa 2.000 Bundesbeamten nach Minneapolis. Das Heimatschutzministerium sprach vom "größten Einsatz in der Geschichte des Ministeriums". Der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz, verurteilte die Entsendung . Demokraten fordern politische Konsequenzen Viele Amerikaner forderten infolge der Tat zudem Konsequenzen. Mehrere Demokraten im Kongress sprachen sich bereits für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Heimatschutzministerin Kristi Noem aus. Der demokratische Fraktionsvorsitzende im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, kündigte eine "starke, entschlossene und angemessene Reaktion der Demokraten" an. Nicht nur der ICE-Beamte müsse zur Verantwortung gezogen werden, sondern seine gesamte Behörde, der Präsident und seine ganze Regierung, sagte der demokratische Abgeordnete Maxwell Frost. Viele Republikaner zeigten sich indes zunächst zurückhaltend. Ein Großteil der Partei hält an dem Narrativ der Regierung fest, dass die Frau selbst für ihren Tod verantwortlich gewesen sei. Die republikanische Senatorin Lisa Murkowski sprach sich für eine umfassende und objektive Untersuchung aus. Außerdem müssten politische Richtlinien geändert werden, damit so etwas nicht wiederhole.