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30.01.2026
12:48 Uhr
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Im vergangenen Jahr wurde mehr abgeschoben als in den Jahren zuvor. Die meisten Menschen wurden in die Türkei zurückgeschickt – darunter auch viele Kinder.

22.787 Menschen sind nach Angaben der Bundesregierung im vergangenen Jahr aus Deutschland abgeschoben worden , die meisten in die Türkei. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Frage der Linkenabgeordneten Clara Bünger hervor, die der ZEIT vorliegt. Im vorangegangenen Jahr 2024 waren nach Angaben der Bundesregierung (PDF) 20.084 Menschen abgeschoben worden. Der Antwort zufolge wurden 2.297 Menschen im vergangenen Jahr in die Türkei abgeschoben. Das sind mehr als doppelt so viele wie 2024, als noch 1.087 Menschen dorthin abgeschoben wurden. Auch nach Afghanistan und in den Iran wurden Menschen abgeschoben: 83 Menschen mussten zurück in das von den islamistischen Taliban regierte Afghanistan, 18 Menschen in den Iran, dessen Sicherheitskräfte mittlerweile als Terrororganisation eingestuft wurden und in dem es mehrere Tausend tote Demonstrierende gibt. Im Jahr 2024 waren 28 Menschen nach Afghanistan und 14 Menschen in den Iran abgeschoben worden. Zudem fanden 2025 unter anderem 1.690 Abschiebungen nach Georgien statt, 1.162 nach Spanien und 1.053 nach Frankreich. "Besonders kritikwürdig ist der enorme Anstieg der Abschiebungen in die Türkei, wo massenhaft Oppositionelle in den Gefängnissen sitzen", sagte Bünger. "Die Repressalien nehmen immer weiter zu , und dennoch haben Bund und Länder kein Problem damit, Erdoğans Kritiker direkt in die Hände ihrer Verfolger auszuliefern." Menschenrechtler machten zuletzt auf die menschenunwürdigen Bedingungen in türkischen Gefängnissen aufmerksam . Vor allem für Kurdinnen und Kurden ist das Leben dort zunehmend schwierig . Zahlreiche Kinder und alte Menschen abgeschoben 3.000 Kinder unter 14 Jahren wurden der Antwort des Bundesinnenministeriums zufolge 2025 abgeschoben. 628 waren zwischen 14 und 17 Jahren alt. 454 abgeschobene Schutzsuchende waren demnach 60 oder mehr Jahre alt. Nordrhein-Westfalen schob mit 4.784 Menschen die meisten Schutzsuchenden ab, gefolgt von Bayern mit 3.649 und Baden-Württemberg mit 3.368 Menschen – wie von den größten Bundesländern Deutschlands zu erwarten. Die Bundespolizei schob gut 600 Menschen ab. "2025 wurden im Schnitt jeden Tag 63 Menschen aus ihrem Leben in Deutschland gerissen und gegen ihren Willen in ihr Herkunftsland oder einen Drittstaat zurückgezwungen", sagte Bünger. Oft müsse dabei Zwang angewendet werden. "Diese Politik muss beendet werden. Das einzig Richtige wäre es, diesen Menschen stattdessen den Weg in ein dauerhaftes Bleiberecht zu eröffnen." Die Linke lehnt die Aussetzung des Familiennachzugs durch die Bundesregierung genauso ab wie die Pläne der Europäischen Union, Geflüchtete in Drittstaaten abzuschieben, zu denen diese keinen Bezug haben . Das Bundesinnenministerium setzt dagegen auf mehr Abschiebungen. Zuletzt hatte Alexander Dobrindt (CSU) die neue Stelle eines Migrationsbotschafters bekannt gegeben, welcher sich darum kümmern soll, dass Deutschland mehr abschieben kann. Kritiker sehen bei Abschiebungen in Bürgerkriegsstaaten wie etwa Syrien allerdings menschenrechtliche Probleme .