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06.12.2025
22:28 Uhr
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Vor der griechischen Insel Kreta ist ein Boot mit 18 toten Migranten entdeckt worden. Offenbar hatten sie während eines Sturms die Kontrolle über das Boot verloren.

Die griechische Küstenwache hat vor der Insel Kreta offenbar ein Boot mit 18 toten Migranten entdeckt. Zwei Menschen hätten das Bootsunglück überlebt, berichtete der öffentlich-rechtliche Sender ERT News. Diese sagten den Einsatzkräften demnach, dass sie während eines schweren Unwetters die Kontrolle über das Boot verloren hätten. Die Migranten trieben demnach ohne Nahrung, Wasser und Schutz auf offener See. Nach ersten Erkenntnissen starben die Menschen an Unterkühlung und Erschöpfung. Laut der Küstenwache waren die 18 Menschen bereits seit mehr als einem Tag tot, als das Boot entdeckt wurde. Unklar blieb zunächst, woher sie kamen. Gerichtsmediziner und Ermittler versuchen nun zu rekonstruieren, was auf dem Boot geschah. Rund um Kreta herrschten in den vergangenen Tagen heftige Herbststürme mit Windböen von über 90 Stundenkilometern. Migration von Libyen nach Griechenland nimmt stark zu In den vergangenen Monaten hat die Migration von Libyen nach Griechenland stark zugenommen. Nach Recherchen von WDR und NDR gehen Sicherheitsbehörden der EU davon aus, dass das Regime von General Chalifa Haftar in Ost-Libyen und die autoritäre Regierung von Belarus dabei eine Rolle spielen. Demnach sollen Menschen aus Belarus gezielt nach Ost-Libyen gebracht werden, um sie von dort weiter Richtung Kreta zu schicken. Frontex und europäische Sicherheitskreise warnen zugleich, dass Migration aus Ost-Libyen von Russland und Belarus gezielt als Druckmittel eingesetzt werden könnte. Beide Länder weisen das zurück. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) kamen bis Anfang Dezember fast 17.000 Migranten auf Kreta an. Für ihren Umgang mit Seenot leidende Migranten stehen auch die staatlichen Küstenwachen von Libyen und Griechenland in der Kritik. So war es im Juni 2023 vor der Hafenstadt Pylos zu einem der schwersten Schiffsunglücke im Mittelmeer der vergangenen Jahre gekommen. Ein mit Hunderten Menschen überladener Kutter war gekentert, mehr als 600 Menschen starben. Nach Recherchen des NDR berichteten Überlebende, die griechische Küstenwache habe versucht, das Boot mit einem Seil in italienisches Gewässer zu ziehen, was zum Unglück beigetragen haben könnte. Die griechische Justiz hat in dem Fall Anklage gegen mehrere ranghohe Mitglieder der Küstenwache erhoben. Auch die libysche Küstenwache wird wegen ihres Vorgehens gegen Migranten und zivile Seenotretter kritisiert. Nach Angaben von Organisationen wie Sea-Watch haben von Italien ausgerüstete Einheiten mehrfach Rettungsschiffe beschossen oder bedroht. Menschenrechtsgruppen verweisen zudem auf enge Verbindungen zwischen den beteiligten Milizen, staatlichen Stellen in Libyen und den dort betriebenen Internierungslagern.