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19.01.2026
16:36 Uhr
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Doppelt so stark wie die Inflation haben Vermieter ihre Wohnungen verteuert. Und das zu schlechteren Konditionen: Mit Möblierung wird die Mietpreisbremse oft umgangen.

Die Mieten in Deutschland sind zum Jahresende 2025 vielerorts deutlich gestiegen. Im vierten Quartal forderten Vermieter um 4,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, damit hoben sie die Mieten doppelt so stark an wie die allgemeine Inflation. Das zeigt der Greix-Mietpreisindex, der vom Kiel Institut für Weltwirtschaft (IfW) herausgegeben wird. Verglichen mit dem dritten Quartal 2025 forderten Vermieter in den 37 untersuchten Städten und Regionen etwa 1 Prozent mehr Miete von den Mietenden. Zugleich bieten Haus- und Wohnungsbesitzer immer nur befristete und möblierte Mietangebote. Bundesweit waren 17 Prozent der Angebote befristet und möbliert, schreibt das Institut. In den acht größten Städten liege der Anteil bei fast einem Viertel, in München sogar bei rund einem Drittel. "Das klassische Angebot geht zurück, die Preise steigen und die Konditionen werden über immer mehr befristete Verträge oder möblierte Angebote härter", sagte Jonas Zdrzalek, der Projektleiter des Greix am IfW Kiel. Für den Index werden Angebote von mehr als 100 Immobilienplattformen und Maklerwebsites gebündelt. "Wohnungssuchende haben es aktuell schwer" In sieben der acht größten deutschen Städte hoben Vermieter dem Institut zufolge die Angebotsmieten im Quartalsvergleich, besonders in Köln mit 3,4 Prozent und München mit 1,9 Prozent . In Hamburg und Frankfurt lagen die Anstiege etwa im bundesweiten Schnitt von einem Prozent. In absoluten Zahlen am meisten Geld verlangen Vermieter in München mit 23,35 Euro je Quadratmeter durchschnittliche Kaltmiete, und in Frankfurt mit 17,36 Euro. Insgesamt seien die Angebotsmieten seit 2015 um 14 Prozent stärker gestiegen als die Inflation . "Bei Neuvermietungen in Großstädten dürften gerade Geringverdiener beziehungsweise Menschen in Ausbildung und Studium zunehmend an ihre Belastungsgrenze stoßen", sagte Zdrzalek. "Wohnungssuchende haben es aktuell schwer." Zudem sank laut Studie im vierten Quartal 2025 das Wohnungsangebot um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Im Vergleich mit 2015 gebe es sogar rund 20 Prozent weniger Mietinserate. Das sei ein Zeichen, dass Menschen mit Altverträgen ihre Wohnung halten und viele Objekte ohne Inserat vergeben würden, schrieb das Institut – weil neue Mietverträge zumeist schlechtere Konditionen haben. Vermieter umgehen Mietpreisbremse In Ballungsräumen bieten Vermieter einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zufolge mehr Wohnraum als möblierte Zeitmietwohnungen an, um die Mietpreisbremse zu umgehen. Das Institut für Wohnen und Umwelt hatte im Auftrag des BBSR für die Auswertung mehr als 17 Millionen Online-Wohnungsinserate zwischen 2012 und 2024 analysiert. In Städten mit mehr als einer halben Million Einwohnern verdoppelte sich der Auswertung zufolge der Anteil der Inserate möblierter und befristet vermieteter Wohnungen an allen Wohnungsanzeigen zwischen 2012 und 2024 von 15 Prozent auf mehr als 30 Prozent. In kleineren Großstädten, in städtischen Kreisen und im ländlichen Raum ist deren Anteil weitgehend stabil geblieben und liegt zwischen etwas mehr als fünf und gut zehn Prozent. BBSR-Wohnungsmarktexperte Alexander Schürt sagte, die Daten sprächen dafür, "dass ein Teil des unmöblierten Mietwohnungsangebots in das möbliert und befristet vermietete Segment verschoben wird, um die Mietpreisbremse zu umgehen". Gewerbliche Vermieter hätten ihre Mietforderungen in diesem Wohnungsmarktsegment seit 2012 etwa verdoppelt. Bei privaten Vermietern fiel dieser Anstieg mit rund 50 Prozent geringer aus. Die Mietpreisbremse hatte Mieter eigentlich entlasten sollen.