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02.03.2026
16:33 Uhr
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Die Telekom bietet eine KI-Hilfe für Telefonate an – und das sogar Telefonierenden ohne Smartphone. Klingt gruselig, wird es aber nicht. Verspricht zumindest die Telekom.

Manchmal tauchen in Telefongesprächen einfache Fragen auf: wann die Sommerferien beginnen, der Aldi schließt oder das Römische Reich untergegangen ist. Wäre es nicht praktisch, wenn man dann nicht noch umständlich parallel googeln müsste? Vielleicht ist das bald nicht mehr nötig. Dann meldet sich eine freundliche Frauenstimme in der Telefonleitung und sagt, währenddessen man darüber diskutiert, wer nun einkaufen gehen könnte: Aldi schließt um 21 Uhr. Die Stimme heißt Magenta, es ist der KI-Assistent der Deutschen Telekom. Das Unternehmen will künftig künstliche Intelligenz (KI) direkt in ihr Mobilfunknetz einbauen, jeder Kunde soll sie jederzeit, unabhängig vom eigenen Gerät, dazuschalten können. "Magenta AI Call Assistant" heißt die Funktion, die Telekom hat sie am Montag auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona, der weltgrößten Mobilfunkmesse, vorgestellt. Ihre größte Herausforderung nun: Die Menschen überzeugen, dass die Telekom ihnen zwar helfen kann, aber trotzdem nicht ihre Telefonate mithört. Die Telekom wagt sich vor Der AI Call Assistant soll künftig so funktionieren: In jedem Telefonat können die Gesprächspartner die KI mit einer eingetippten Zahlenkombination oder einem gesprochenen "Hey Magenta" aktivieren und dann fragen, was sie auf dem Herzen haben. Nur einer muss dafür Telekom-Kunde sein und sich einmalig angemeldet haben (Opt-in-Prinzip) – das soll verhindern, dass jemand den Assistenten startet, der gar nichts davon weiß. Fürs Erste soll die Funktion im Laufe des Jahres für Mobilfunkkunden starten, Festnetz-Telekomanschlüsse sollen aber folgen. Ob die Funktion etwas kosten wird, will die Telekom noch nicht sagen. Zunächst soll Magenta laut der Telekom Übersetzung in Echtzeit, Zusammenfassungen von Gesprächen und "Beantworten von Fragen aller Art" bieten. Das Unternehmen stellt aber bereits in Aussicht, dass weitere Funktionen kommen sollen, die KI soll etwa bald auch selbstständig Restaurantplätze reservieren oder Arzttermine buchen können. Der Dienst soll innerhalb der nächsten zwölf Monate bis zu 50 Sprachen unterstützen. Die Telekom ist nach eigenen Angaben weltweit das erste Telekommunikationsunternehmen, das so etwas anbietet – das US-Tochterunternehmen T-Mobile hat Anfang Februar eine ähnliche KI-Integration angekündigt, allerdings ausschließlich für Übersetzungen. "Wir sind KI-Optimisten", sagt Abdu Mudesir, Vorstand Product & Technology bei der Telekom im Gespräch. "Deswegen wollen wir den Zugriff auf KI für unsere Kunden so einfach wie möglich machen." Denn KI in Anrufen, das gibt es im Prinzip schon: Apple, Samsung oder Google haben etwa Echtzeitübersetzungen in ihre Smartphones und In-Ear-Kopfhörer eingebaut. Dafür braucht es aber die entsprechenden – meist neuen, teureren – Geräte der Hersteller. Die Telekom-KI in der Telefonleitung würde aber für jeden Nutzer und jedes Gerät funktionieren, "selbst auf einem Nokia 3310", sagt Mudesir. Eine KI, die auch Menschen ohne Smartphone zugänglich werden soll, das gibt es so noch nicht. Die Telekom macht damit nicht nur anderen Netzbetreibern wie Telefónica oder Vodafone, sondern auch den KI-Konzernen Konkurrenz. Gerüchten nach arbeitet OpenAI mit iPhone-Designer Jony Ive an einem Gerät, das ganz ähnliche Assistenzfunktionen per Sprachbefehl erledigen soll. Meta stattet seine Ray-Ban-Brillen ebenfalls mit immer mehr KI aus. So eine Brille zeigt auch die Telekom als Konzeptstudie auf ihrem MWC-Stand, sie basiert allerdings auf einer Brille von RayNeo, einem Tochterunternehmen des chinesischen Fernseher- und Displaykonzerns TCL. Die RayNeo-Brille kann man bereits kaufen; ob das jemals auch auf die Telekom-Version zutreffen wird, ist bislang unklar. Auch bei ihrem Call Assistant braucht die Telekom Unterstützung von jenseits des Atlantiks: Sie hat den Dienst in Zusammenarbeit mit ElevenLabs entwickelt, die vor allem für ihre KI-Stimmen bekannt sind.