Zeit 19.11.2025
09:44 Uhr

Machtübernahme der Taliban: Nur wenige Afghanen nehmen Geld für Aufnahmeverzicht an


Die Bundesregierung hatte mehreren Hundert Afghanen Geld geboten, wenn sie auf eine Ausreise nach Deutschland verzichten. Darauf eingegangen ist nur etwa jeder Zehnte.

Machtübernahme der Taliban: Nur wenige Afghanen nehmen Geld für Aufnahmeverzicht an
Die Bundesregierung hat nur wenige Zusagen für ihr finanzielles Angebot an Afghaninnen und Afghanen bekommen, auf eine Aufnahme in Deutschland zu verzichten. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums haben sich mit 62 Personen etwa zehn Prozent der Angeschriebenen zu diesem Schritt bereiterklärt. Die Frist für eine Rückmeldung war am Montagabend abgelaufen. Das Ministerium hält jedoch nach eigener Auskunft mit einigen Angeschriebenen Kontakt, die sich noch nicht endgültig entschieden haben. Viele der Betroffenen warten seit Monaten oder Jahren in Pakistan auf ihre Ausreise. Die Regierung hatte einem Teil von ihnen Geld angeboten , wenn sie freiwillig aus dem Aufnahmeverfahren ausscheiden. Die schwarz-rote Bundesregierung hat das Aufnahmeprogramm für besonders gefährdete Afghaninnen und Afghanen im Mai gestoppt. Neben ehemaligen Ortskräften sollten auch Menschen Schutz erhalten, die Verfolgung durch die Taliban befürchten müssen, etwa wegen ihrer Arbeit als Anwältinnen oder Journalisten. Unter den Menschen mit Aufnahmezusage sind knapp 220 ehemalige Ortskräfte und Angehörige, etwa 60 Personen von einer sogenannten Menschenrechtsliste, knapp 600 aus dem Überbrückungsprogramm sowie rund 1.000 aus dem Bundesaufnahmeprogramm für Afghanistan. Visa gerichtlich eingeklagt Die Regierung aus CDU, CSU und SPD hatte in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, freiwillige Bundesaufnahmeprogramme "so weit wie möglich" zu beenden und keine neuen aufzulegen. Seit Regierungsantritt der schwarz-roten Koalition sind bislang dennoch fünf Flüge mit besonders gefährdeten Personen aus verschiedenen Programmen in Deutschland eingetroffen, zuletzt in der vergangenen Woche . Die Betroffenen werden unter anderem von der Organisation Kabul Luftbrücke unterstützt und hatten sich gerichtlich Visa eingeklagt. Die Organisation teilte der ZEIT mit, dass in dieser Woche etwa 25 weitere Afghaninnen und Afghanen nach Deutschland gebracht werden sollten. 1.900 Menschen warten auf Ausreise In einem an Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gerichteten Brief hatten betroffene Afghaninnen und Afghanen das Geldangebot zuletzt deutlich kritisiert: "Viele von uns haben mit Deutschland zusammengearbeitet und wertvolle Lebensjahre an Ihrer Seite verbracht. Wir waren wichtige Verbündete, Kameraden, Mitstreiter und Freunde", hieß es in dem Schreiben. "Es trifft tief unsere Herzen, wenn jemand uns mit Geld dazu bewegen will, dass wir unsere Sicherheit verkaufen – und einige von uns auch ihr Leben." Unter der Ampelregierung waren Menschen aus den Aufnahmeprogrammen noch mit Chartermaschinen eingeflogen worden. Derzeit warten in Pakistan noch rund 1.900 Afghaninnen und Afghanen auf ihre Ausreise. Die dortigen Behörden haben bereits angekündigt, die Wartenden nach Ablauf dieses Jahres nach Afghanistan abzuschieben, sollten sie bis dahin nicht ausreisen.