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14.02.2026
20:03 Uhr
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Auf der Sicherheitskonferenz kritisiert Selenskyj, dass westliche Waffen oft zu spät ankommen. Er nennt zudem Details zu den Verhandlungen mit Russland.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die westlichen Verbündeten aufgerufen, seinem Land schnell zu helfen und geschlossen aufzutreten. "Was wir bei dem russischen Einmarsch am 24. Februar (2022) gebraucht hätten, wären Einheit, Entschlossenheit und Tempo gewesen", sagte Selenskyj in seiner Rede auf der Sicherheitskonferenz in München. Russland habe seine Angriffswaffen während des Kriegs stark weiterentwickelt. Um mithalten zu können, brauche die Ukraine schnell weitere Unterstützung bei der Verteidigung. Es habe Monate und mitunter Jahre gedauert, ehe bestimmte Waffensysteme geliefert worden seien. Selenskyj dankte den Partnern für ihre bisherige Hilfe. Zugleich bat er eindringlich um weitere Raketen für die Flugabwehr. Sie sollen dabei helfen, die systematische Zerstörung des ukrainischen Energienetzes durch russische Angriffe aus der Luft zu stoppen . Mitten im Winter sind in Kyjiw, Odessa und anderen Städten Hunderte Haushalte seit Wochen ohne Strom . Er sei zuversichtlich, dass dieser Krieg mit Würde beendet werden könne. "Das ist für uns das Wichtigste, und wir haben unseren Partnern alles gegeben, was unserer Meinung nach zu einem solchen Abkommen gehören muss, und wir sind bereit, in die gemeinsame Sicherheit zu investieren", sagte Selenskyj. Selenskyj fordert, Druck auf Russland vor Gesprächen zu erhöhen Mit Blick auf die neue Runde der trilateralen Friedensgespräche in Genf am Dienstag und Mittwoch forderte Selenskyj, den Druck auf die russische Regierung zu erhöhen. Statt auf den Aggressor übe die US-Regierung oft eher Druck auf die Ukraine aus, indem sie Zugeständnisse fordere. Selenskyj äußerte sich zwiegespalten über die Gespräche. Einerseits hoffe er aufrichtig, die Gespräche zu vertiefen, andererseits fühle es sich manchmal so an, "als würden die Seiten über völlig verschiedene Dinge sprechen". Der ukrainische Präsident warf Russland zudem vor, keine Zugeständnisse zu machen. Er beschuldigte Russland mit einem überraschenden Wechsel an der Spitze des russischen Verhandlungsteams, Entscheidungen bei den Gesprächen in Genf verzögern zu wollen. Die USA haben Selenskyj zufolge eine Sicherheitsgarantie für 15 Jahre nach dem Krieg angeboten. Die Ukraine fordert jedoch eine Laufzeit von 20 Jahren oder länger. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Selenskyj zu Zugeständnissen bei den Verhandlungen aufgefordert. Russland wolle einen Deal machen, und Selenskyj müsse in Bewegung kommen, sonst verpasse er eine große Chance, sagte Trump. Nach Angaben von Selenskyj zahlt Russland für seinen langsamen Vormarsch im Donbass einen hohen Preis. Im Dezember seien 35.000 russische Soldaten getötet oder schwer verletzt worden, im Januar 30.000. Pro erobertem Quadratkilometer verliere Russland 156 Soldaten. Selenskyj sagte, er sei überzeugt, dass die russische Regierung zu echten Verhandlungen bereit sei, sobald die Zahl der Gefallenen auf 50.000 pro Monat steige. Ukrainischer Präsident stellt Wahlen in der Ukraine in Aussicht In einer Podiumsdiskussion stellte der Präsident erneut Wahlen in seinem Land in Aussicht, knüpfte dies aber an Bedingungen. "Gebt uns zwei Monate Waffenruhe und wir werden Wahlen abhalten", sagte er und fügte scherzhaft hinzu, dass dann ja auch in Russland gewählt werden könnte. Wiederholt betonte der ukrainische Präsident die Bedeutung von Sicherheitsgarantien für sein Land nach einer Waffenruhe, damit Russlands Präsident Wladimir Putin nicht erneut einfallen werde. In diesem Zusammenhang forderte Selenskyj erneut eine Nato-Mitgliedschaft seines Landes. Die ukrainische Armee sei die stärkste Europas. "Es wäre nicht schlau, die größte Armee Europas aus der Nato herauszulassen", sagte er. "Aber stellen Sie sicher, dass dies Ihre Entscheidung sein wird und nicht Putins", fügte er an die Nato-Staaten gewandt hinzu. Putin lehnt eine Nato-Mitgliedschaft der Ukraine strikt ab und macht dies zu einer Bedingung für einen möglichen Friedensschluss.