Zeit 12.02.2026
06:02 Uhr

Lufthansa: Piloten und Kabinenpersonal treten in ganztägigen Streik


Bis Mitternacht wollen Piloten und Flugbegleiter der Lufthansa ihre Arbeit niederlegen. Hunderte Flüge fallen aus, Zehntausende Passagiere sind betroffen.

Lufthansa: Piloten und Kabinenpersonal treten in ganztägigen Streik
Bei der Lufthansa haben die angekündigten Streiks der Piloten und Flugbegleiter begonnen. Das bestätigte eine Sprecherin der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) in der Nacht. Wegen der ganztägigen Arbeitsniederlegungen können Hunderte Jets der größten Airline nicht starten. Auf den Abflugplänen größerer Flughäfen wie Frankfurt am Main und Berlin finden sich nur ganz vereinzelte Lufthansa-Verbindungen, die aufrechterhalten werden sollen. Neben UFO hat auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) zu einem Streik aufgerufen, der bis 23.59 Uhr dauern soll. Zehntausende Passagiere der Lufthansa sind von der Arbeitsniederlegung betroffen. Der Konzern sprach von "umfangreichen Streichungen". Nach Angaben des Flughafenverbands ADV fallen über 460 Flüge aus mit rund 69.000 Passagieren . Die kurzfristige Ankündigung treffe die Fluggäste "extrem hart und unverhältnismäßig", teilte die Airline ​mit. Die Lufthansa bemühe sich, die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten. Man ⁠versuche, Fluggäste auf andere Airlines der Lufthansa-Gruppe und Partnerairlines umzubuchen. Ab Freitag will ​die Lufthansa "weitestgehend wieder den normalen Flugplan anbieten". Die VC will durch den Arbeitskampf ​ bessere Bedingungen bei Betriebsrenten der Lufthansa für mehr als 5.000 Piloten erreichen. "Wir können es auch als Gewerkschaft einfach nicht hinnehmen, dass wir ein halbes Jahr noch nicht einmal ein Angebot vom Arbeitgeber auf dem Tisch liegen haben", sagte VC-Präsident ​Andreas Pinheiro in Frankfurt am Main. UFO rief das Kabinenpersonal bei Lufthansa und Lufthansa CityLine zum Arbeitskampf auf. Gewerkschaft rechnet mit "erheblichen Auswirkungen auf den Flugplan" "Die Eskalation ist völlig unnötig", sagte der Lufthansa-Personalvorstand Michael Niggemann in Berlin. Eine Lösung der Konflikte könne es nur am Verhandlungstisch geben. Die finanziellen Forderungen seien übertrieben. "Die Lufthansa Classic hat einfach keinen finanziellen Spielraum", sagte der Manager. Gewerkschaftspräsident Pinheiro sagte, die VC gehe davon aus, dass der Arbeitskampf "erhebliche Auswirkungen auf den Flugplan haben wird". Der Arbeitskampf bedeute für die Flughäfen erhebliche operative ​Einschränkungen und zusätzliche Belastungen für Passagiere, kritisierte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. "Tarifkonflikte gehören in eine verantwortungsvolle Sozialpartnerschaft und müssen am Verhandlungstisch gelöst werden." Die Piloten werden laut VC Flüge der Kernmarke ‌ Lufthansa und der Frachttochter Lufthansa Cargo bestreiken. Auch Anreisen von Cockpit-Beschäftigten zum Einsatzort, Bereitschafts- und Reservedienste ​sowie Simulatortrainings werden bestreikt. Die VC fordert für die Cockpit-Beschäftigten höhere Beiträge zur Betriebsrente. Das Management lehnt das wegen hoher Kosten und geringer Profitabilität der Fluglinie ab. "Wir können eine Topversorgung nicht einfach noch mal verdoppeln", sagte Vorstand Niggemann. Die Altersvorsorge betrage derzeit rund 8.400 Euro pro Monat. Die ​VC hat nach eigenen Angaben ihre Forderungen reduziert, ohne dass die Lufthansa reagiert hätte. Die Pilotinnen und Piloten sind nach einer Urabstimmung bereits seit Oktober streikfähig, läuten aber erst jetzt den Arbeitskampf ein. "Die Lufthansa muss ein verhandlungsfähiges Angebot vorlegen, dann wird unsere Tarifkommission mit der Lufthansa darüber beraten", sagte VC-Chef Pinheiro. Die Kabinenbeschäftigten streiken laut UFO, weil sich in den laufenden Manteltarifverhandlungen weiter keine Bewegung bei Fragen ​der Arbeitsbedingungen zeige. Bei der Tochter Lufthansa CityLine geht es um eine Weigerung des Arbeitgebers, über einen tariflichen Sozialplan zur geplanten Schließung ⁠des Flugbetriebs zu verhandeln. Niggemann ​sagte, der Konzern habe großzügige Angebote für eine Weiterbeschäftigung gemacht. Zum Arbeitskampf der ‌Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter fügte er hinzu, die Beschäftigten seien sicher an Perspektiven für Wachstum interessiert. Hier seien aber höhere Kosten und ein Streik keine Hilfe. Beide Gewerkschaften müssten Verantwortung für die Zukunft der ‌Airlines übernehmen.