Zeit 12.02.2026
08:08 Uhr

Los Angeles: Instagram-Chef bestreitet vor Gericht Suchtpotenzial sozialer Medien


Ein Prozess in den USA soll klären, ob soziale Medien süchtig machen. Auch der Instagram-Chef sagt aus – und liefert eine eigene Definition von Abhängigkeit.

Los Angeles: Instagram-Chef bestreitet vor Gericht Suchtpotenzial sozialer Medien
Instagram -Chef Adam Mosseri hat das Suchtpotenzial sozialer Medien in einem womöglich weitreichenden Gerichtsprozess in Los Angeles bestritten. Der New York Times zufolge sagte Mosseri im Gerichtssaal, dass Nutzer zwar sozusagen süchtig wie nach einer Fernsehserie werden könnten, aber sie seien damit nicht "klinisch süchtig". Instagram gehört zum Facebook-Konzern Meta . In dem Prozess wirft die 20-jährige Hauptklägerin, die nur unter dem Akronym K.G.M. auftritt, sozialen Netzwerken vor, ihre Dienste mit Absicht so gestaltet zu haben, dass Nutzer süchtig danach werden. Die Klägerin führt ihre Depressionen, Angststörungen und ihr verzerrtes Körperbild auf das Nutzen der Plattformen schon als kleines Kind zurück. Meta weist jegliche Verantwortung zurück. In einer Stellungnahme von Meta heißt es, das Beweismaterial werde zeigen, "dass die Klägerin schon lange, bevor sie überhaupt soziale Medien nutzte, vor vielen erheblichen und schwierigen Herausforderungen stand". Meta verweist zudem auf über die Jahre eingeführte Maßnahmen zum Schutz junger Nutzer, zum Beispiel spezielle Accounts für Teenager und Aufsichtsfunktionen für Eltern. Apps hätten "Sucht in Kindergehirnen erzeugt" Ein Anwalt der Google-Videoplattform YouTube wies die Vorwürfe ebenfalls zurück. Die Klägerin sei nicht süchtig nach YouTube und die Plattform gehöre auch nicht zur Kategorie soziale Medien, sagte er laut Medienberichten. Es gebe keine Hinweise auf exzessiven Konsum von YouTube-Videos durch die Klägerin. Sie habe von 2010 bis 2024 im Schnitt 29 Minuten pro Tag die Plattform genutzt. Klägeranwalt Mark Lanier hatte den Konzernen am Montag in seinem Eröffnungsplädoyer vorgeworfen, nicht nur Apps zu entwickeln, sondern auch "Fallen" zu konstruieren. Die Unternehmen hätten "eine Sucht in den Gehirnen von Kindern erzeugt". Er legte mehrere interne Dokumente von Meta und Google vor, die belegen sollen, dass die Firmen dabei mit Vorsatz handelten. Die Zeugenaussage von Meta-Chef Mark Zuckerberg wird für den 18. Februar erwartet. YouTube-Chef Neal Mohan soll einen Tag später aussagen. Der Ausgang des Verfahrens um das Suchtpotenzial von Onlinediensten könnte eine wegweisende Wirkung für zahlreiche weitere Klagen dieser Art haben. Weltweit Diskussionen um Social-Media-Verbot Sollte die Klägerin Recht bekommen, könnten auf die Tech-Unternehmen womöglich Millionen Dollar an Schadensersatzforderungen zukommen. Möglich wäre auch, dass sie ihre Dienste in Zukunft anders designen müssen. In vielen Ländern wird derzeit über ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche nach dem australischen Vorbild diskutiert. Bei einem Verbot müssten die Plattformen aber nichts ändern. Sobald die Kinder und Jugendlichen es an der Alterssperre vorbei schaffen sollten, wären sie mit denselben Problemen konfrontiert wie bisher.