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08.10.2026
13:35 Uhr
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Mit dem Nobelpreis für Literatur wird in diesem Jahr Anne Carson geehrt. Die Akademie würdigt das »kühne und einfallsreiche Werk« der Dichterin aus Kanada.

Der Nobelpreis für Literatur geht in diesem Jahr an die kanadische Dichterin und Autorin Anne Carson. Das teilte die Schwedische Akademie in Stockholm mit. Carson werde »für ihr kühnes und einfallsreiches Werk« mit verspielten Dialogen in klassischer Form geehrt, hieß es zur Begründung. Dadurch habe die Schriftstellerin neue Formen für die Gegenwartsliteratur geschaffen. Unter Fachleuten galt Carson bereits seit Jahren als Anwärterin auf den wichtigsten Preis der Literaturwelt. Als die Akademie die Dichterin über die Auszeichnung unterrichtet habe, sei sie sehr bewegt gewesen. Sie sei gerade dabei gewesen, in Island »dem Wind zuzuhören«, hieß es. Im vergangenen Jahr war dem ungarischen Autor László Krasznahorkai der Literaturnobelpreis zugesprochen worden. Nachdem die Jury damit einen europäischen Mann ausgezeichnet hatte, hatten viele Beobachter vor der diesjährigen Vergabe spekuliert, dass nun eine Frau von einem anderen Kontinent zum Zug kommen könnte. Bislang gingen 29 Nobelpreise in verschiedenen Kategorien an Kanada, davon einer für Literatur. Vor Carson hat 2013 die Autorin Alice Munro (1931–2024) den Literaturnobelpreis erhalten. Carson verwebt unterschiedliche literarische Stoffe Anne Carson kam im Jahr 1950 in Toronto zur Welt. Bekanntheit erlangte sie für ihre unkonventionelle Verbindung verschiedener literarischer Formen. In ihren Werken verschränkt sie klassische Philologie, Lyrik, Essay, Übersetzung, Erzählung und dramatische Formen. Ihre Texte verbinden eine ausgeprägte Gelehrsamkeit – insbesondere im Hinblick auf die griechische und römische Antike – mit moderner Sensibilität, Ironie und persönlichen Reflexionen. Als Kind verehrte Carson den Schriftsteller Oscar Wilde. Sie habe genauso sein wollen wie der irische Autor aus dem 19. Jahrhundert – belesen, elegant und witzig, sagte sie einmal der New York Times. Also studierte sie Latein und Altgriechisch und wurde so gut darin, dass sie die Sprachen inzwischen lehrt und übersetzt. Carson ist Professorin für Klassische Philologie und lehrte an mehreren Universitäten in Kanada und den USA. Zu Carsons bekanntesten Büchern gehören Rot (1998), ein Versroman, der den griechischen Mythos des Geryon neu interpretiert, sowie Nox (2010), ein experimentelles Werk über das Leben und den Tod ihres Bruders. Der bittersüße Eros (1986) ist eine essayistische Untersuchung über die Natur der Liebe in der antiken griechischen Literatur. Gedichtband Carsons auf renommierter Guardian -Liste Carson wurde mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt, darunter dem T. S. Eliot Prize, einem Guggenheim Fellowship und einem MacArthur Fellowship. Den T. S. Eliot Prize erhielt sie 2001 für The Beauty of the Husband – die heute 76-Jährige war die erste Frau, die den britischen Literaturpreis gewann. In dem Werk schildert sie den schmerzlichen Zerbruch einer langjährigen Ehe aus der Sicht einer namenlosen Erzählerin, der Ehefrau . Der Guardian listete das Werk auf seiner renommierten Liste der 100 besten Bücher des 21. Jahrhunderts. Der erste Literaturnobelpreis wurde 1901 an den französischen Schriftsteller Sully Prudhomme verliehen. Bisher sind 119 Nobelpreise für Literatur an 123 Autoren gegangen, davon an 19 Frauen. Seit Montag sind bereits Preisträger in den Kategorien Medizin, Physik und Chemie verkündet worden. Darunter sind auch zwei Deutsche: Peter Hegemann und Georg Nagel bekamen den Medizinnobelpreis zusammen mit dem Amerikaner Karl Deisseroth für ihre Entdeckungen auf dem Feld der Optogenetik. Mit dem Physiknobelpreis wurde der belgisch-amerikanische Forscher Francis Halzen geehrt. Der Nobelpreis für Chemie ging an den Franzosen Henri Kagan und den Japaner Kenso Soai für entscheidende Grundlagen unter anderem für die Entwicklung von Medikamenten. Zum Abschluss der Woche wird am Freitag verkündet, wer den diesjährigen Friedensnobelpreis erhält. Zuletzt wird am Montag der Nobelpreis in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften verkündet.