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04.12.2025
11:12 Uhr
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Die italienische Polizei untersucht, ob Luxusmarken von der Ausbeutung billiger Arbeitskräfte profitieren. 13 Firmen müssen jetzt ihre Unterlagen offenlegen.

Die italienische Polizei sieht bei 13 Luxusfirmen, darunter Versace, Prada und Gucci, einen Verdacht auf Ausbeutung von Arbeitskräften. Das geht aus Gerichtsdokumenten hervor, die der Nachrichtenagentur Reuters vorliegen. Demnach wurden die Firmen aufgefordert, Dokumente zu ihrer Unternehmensführung und den Kontrollen ihrer Lieferketten auszuhändigen. Zuvor hatte die Polizei bei Durchsuchungen von Werkstätten in chinesischem Besitz Kleidungsstücke und Unterlagen zu Unteraufträgen für diese Marken gefunden. Mit den überreichten Unterlagen überprüfen die Ermittler die Kontrollmechanismen in den Unternehmen. Sie wollen einschätzen, ob die Mechanismen ausreichen, um Missbrauch zu verhindern – und ob die Unternehmen in die Ausbeutung von Arbeitskräften verwickelt waren. Nach der Übergabe der Dokumente können die Unternehmen mögliche Mängel aus eigener Initiative beheben, indem sie ihre Organisationsmodelle anpassen. Sollten sie dies versäumen, behält sich die Mailänder Staatsanwaltschaft weitere vorsorgliche Maßnahmen vor. Zu den betroffenen Unternehmen zählen auch Dolce & Gabbana, Adidas Italy, Missoni, Ferragamo, Off-White Operating und Coccinelle. Eine Bitte um Stellungnahme ließen die 13 Konzerne zunächst unbeantwortet. Regierung will "Made in Italy" schützen Es ist nicht das erste Mal, dass die Mailänder Staatsanwaltschaft Durchsuchungen bei Modefirmen veranlasst. Vor zwei Jahren waren fünf Firmen – darunter Valentino und Armani – betroffen. Bei diesen setzte die Staatsanwaltschaft daraufhin eine Zwangsverwaltung durch. Die Ermittlungen zeigen ein systematisches Problem der Ausbeutung von Arbeitskräften in der italienischen Mode- und Luxusgüterindustrie. Italien ist mit einem Anteil von 50 bis 55 Prozent an der weltweiten Produktion von Luxusgütern ein zentraler Standort der Branche. Die italienische Regierung ist bemüht, das Ansehen des Labels "Made in Italy" zu schützen. Im Oktober 2024 hatte Industrieminister Adolfo Urso einen Gesetzentwurf für eine staatliche Zertifizierung von Modeunternehmen angekündigt. So sollen sich Unternehmen von externen Stellen bescheinigen lassen können, dass ihre Lieferketten den gesetzlichen Vorgaben entsprechen.