Zeit 20.02.2026
12:53 Uhr

Leben im Krieg: "Es gibt Kinder, die nichts anderes kennen als den Krieg"


Noch nie seit den ersten Tagen der Vollinvasion hat die ukrainische Bevölkerung so gelitten wie in den vergangenen Monaten. Wie Ermüdung als Kriegswaffe wirken kann.

Leben im Krieg:
Was macht der brutale russische Krieg in der Ukraine, der vor ziemlich genau vier Jahren, am Morgen des 24. Februar 2022, begann, mit den Menschen im Land? Mit den Kindern? Wie verändert er die ukrainische Gesellschaft – und die Natur? Darüber sprechen wir diese Woche in Das Politikteil , dem politischen Podcast der ZEIT, mit einer der klügsten und aufmerksamsten Beobachterinnen der Ukraine: Zu Gast bei Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing ist die Schriftstellerin, Essayistin und Verlegerin Kateryna Mishchenko, die seit 2022 in Berlin lebt. "Das Wort Migration", sagt sie, "ist zu meiner Realität geworden." Mishchenko sagt: "Ich kann mir die Zukunft gar nicht vorstellen." Der Krieg zwinge sie und alle Menschen in der Ukraine in eine radikale Gegenwart. Noch nie seit den ersten Tagen der Vollinvasion habe die Zivilbevölkerung so stark gelitten wie im Jahr 2025 und jetzt, im eisigen Februar 2026. Mishchenko spricht von einem gezielten "Erschöpfungskrieg", Ermüdung sei eine Kriegswaffe: Die Armee und die Bevölkerung sollten erschöpft werden, "damit sie nicht widerstehen können". Auch sie kenne diese Momente der Müdigkeit, sagt die Schriftstellerin. Aber: "Wenn ich müde und verzweifelt bin, dann gewinnt diese faschistische Macht." Wie dieses Widerstehen die Menschen verändere, das könne noch niemand sagen. "Es ist so viel passiert, so viele Tragödien, dass ich nicht weiß, wann die Trauer mich trifft." Keiner wisse auch, was der Krieg mit den Kindern der Ukraine mache. Manche von ihnen, sagt Mishchenko, vor allem die im Osten des Landes, "kennen gar nichts anderes als den Krieg", der seit 2014 geführt wird. Im Podcast Das Politikteil sprechen wir jede Woche über das, was die Politik beschäftigt, erklären die Hintergründe, diskutieren die Zusammenhänge. Immer freitags mit zwei Moderatoren, einem Gast – und einem Geräusch. Im Wechsel sind als Gastgeber Tina Hildebrandt und Heinrich Wefing oder Ileana Grabitz und Peter Dausend zu hören. Der im Podcast erwähnte Essayband heißt: Geteilter Horizont. Die Zukunft der Ukraine , herausgegeben von Kateryna Mishchenko und Katharina Raabe, erschienen bei Suhrkamp.