Zeit 05.03.2026
18:05 Uhr

Künstliche Intelligenz: Nutzer boykottieren ChatGPT – und bejubeln Claude


Künstliche Intelligenz beschleunigt den Informationskrieg. Anthropic verliert und triumphiert zugleich. Und: Meta-Brille gibt intime Aufnahmen weiter. Der KI-Newsletter

Künstliche Intelligenz: Nutzer boykottieren ChatGPT – und bejubeln Claude
Sie lesen den KI-Newsletter " Natürlich intelligent " vom 5. März 2026. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an . Manchmal verändert sich von einer Newsletter-Ausgabe zur nächsten die politische Weltlage. Seit Beginn des Irankriegs werden Satellitenbilder in den sozialen Medien teils tausendfach geteilt. Sie sollen das vermeintliche Ausmaß der Zerstörung dokumentieren. Nur: Nicht alle sind echt . Einige sind manipuliert worden mit künstlicher Intelligenz. Das spiegelt nicht nur einmal mehr wider, dass Social-Media-Plattformen nicht in der Lage sind, Falschinformationen in Krisensituationen frühzeitig einzudämmen. Es zeigt auch, wie viel leichter es in Zeiten von KI geworden ist, einen Informationskrieg zu führen. Das müssen Sie wissen: Empörung über OpenAI, Zuspruch für Anthropic Vor Kurzem wollten sich Anthropic-Chef Dario Amodei und OpenAI-Chef Sam Altman nicht einmal für ein Gruppenbild die Hände reichen. Was Ende vergangener Woche passierte, dürfte die Rivalität der beiden weiter verschärft haben: Wenige Stunden, nachdem die US-Regierung Anthropics Technik aus den Bundesbehörden verbannt hatte, brachte sich OpenAI als Ersatz in Stellung . Seine Beharrlichkeit kostet Anthropic viel Geld, mindestens mal seinen Ende 2024 abgeschlossenen 200 Millionen US-Dollar schweren Vertrag mit dem Verteidigungsministerium , genauso wie wohl etliche große Unternehmenskunden . Möglicherweise schreckt es auch einige Investoren ab, weiter Geld in das von Trump als "woke" beschimpfte Unternehmen zu pumpen, das der US-Regierung nicht erlauben will, seine Technologie für Massenüberwachung und vollautonome Waffensysteme zu nutzen. Viele Nutzer aber feiern Anthropics Beharrlichkeit. Nach dem Zwist mit dem US-Präsidenten ging eine Protestbewegung, die sich QuitGPT nennt und die es schon länger gibt, in den sozialen Medien viral. Die Deinstallationen der mobilen ChatGPT-App stiegen laut Marktanalyseanbieter Sensor Tower in den USA am Samstag um 295 Prozent. Außerdem straften die Nutzer die ChatGPT-App wohl mit etlichen 1-Stern-Rezensionen in App-Stores ab. Das berichtet unter anderem das US-amerikanische Techmedium TechCrunch . Die Downloads von Claude, dem Chatbot von Anthropic, stiegen hingegen um 51 Prozent an. In den USA führt die Anwendung derzeit sogar die App-Charts an . Ein Screenshot der US-amerikanischen Sängerin Katy Perry, der zeigt, wie sie vergangenen Samstag ein Pro-Abo von Claude abschließt, generierte auf der Plattform X mehr als zwölf Millionen Views. Es bräuchte zwar schon sehr viele Neuabonnenten, um die entgangenen Millionen-Geschäfte wettzumachen. Aber immerhin: Claude dürfte, dank Trump, noch nie so bekannt gewesen sein wie jetzt. Darüber sollten Sie nachdenken: Was Ihre neue KI-Brille filmt – und wer es sehen könnte Mit seinen KI-Brillen hat Meta scheinbar einen Nerv getroffen: Millionenfach sind sie bislang verkauft worden . Und werden mitunter schon mal zum Nachfolger des Smartphones erklärt. Die smarten Brillen, denen man von außen nicht unbedingt ansieht, wie viel Technik in ihnen steckt, sollen Fragen per KI beantworten – vor allem aber können sie Videos aufzeichnen. Und die sind offenbar nicht so privat, wie Nutzer sich das wohl erhoffen. Darüber berichtet die schwedische Tageszeitung Svenska Dagbladet . Die Reporter schildern, wie Mitarbeiter des Unternehmens Sama im Auftrag von Meta in der kenianischen Hauptstadt Nairobi Videos sehen und bearbeiten, die offenbar von den Brillen von Meta-Kunden stammen. Die Arbeiter beschreiben Aufnahmen, auf denen Personen nackt aus dem Badezimmer kommen, Sex haben oder persönliche Informationen wie ihre Bankdaten filmen. Die Frage der Reporter an Meta, wie es sein kann, dass private und intime Videos von Meta-Nutzern auf Bildschirmen in Kenia landen können, ließ der US-Konzern unbeantwortet. Stattdessen verwies er lediglich auf seine Meta-AI-Nutzungsbedingungen und die Datenschutzrichtlinie. Das weckt nicht allzu viel Vertrauen. Wer sich also eine KI-Brille kauft, sollte sich vorher gut überlegen, in welchen Situationen er oder sie die Brille demnächst aufsetzt. Und wann man vielleicht doch lieber auf das gute alte analoge Drahtgestell zurückgreift. Das können Sie ausprobieren: Nano Banana 2 Google DeepMind hat Nano Banana 2 vorgestellt. In der Gemini-App können Nutzer das neue Bildmodell, das auch den weniger einprägsamen Namen Gemini 3.1 Flash Image trägt, bereits kostenlos ausprobieren. Mit der ersten Version sorgte Google vergangenes Jahr für viel Aufmerksamkeit, weil diese noch bessere Bilder erzeugte als Konkurrenz-KIs. Das neue Modell soll nun aktuelle Infografiken erstellen oder Notizen im Nu in Diagramme umwandeln können. Das Licht sei jetzt lebendiger und Bilddetails noch schärfer, verspricht Google DeepMind. In einem ersten Test habe ich Nano Banana 2 ein Glas Wasser mit Eiswürfeln generieren lassen, das in der Morgensonne steht. Das klappte erwartbar gut. An dem vor Kälte beschlagenen Glas perlte stimmungsvoll das in der Sonne kondensierende Wasser ab. Das Ergebnis von Nano Banana 1 (Gemini 2.5 Flash Image) mit dem gleichen Prompt ist allerdings ähnlich eindrucksvoll. Bildmodelle haben den Punkt, an dem ihre Ergebnisse von Fotos oft nicht zu unterscheiden sind, schon länger überschritten. Manchmal gibt es aber weiterhin typische KI-Bild-Fehler. Etwa bei der Bitte, eine Tasse Kaffee zu zeigen, die zur Hälfte gefüllt ist: Die abgebildete Kaffeetasse ist zwar halb voll, auf der Vorderseite aber klafft im Porzellan ein kreisrundes Loch. Eine Herausforderung für KI sind spezifische Szenarien, die es in der Realität nicht gibt. Ein Murmeltier zum Beispiel, das Einrad fährt und dabei ein Plakat in der Pfote hält, auf dem steht: "Murmeltiere gegen Massentourismus". Das Protestschild zeigte Nano Banana 2 zwar fehlerfrei. Das Murmeltier tritt aber nur auf einer Seite des Einrads mit seiner Pfote in die Pedale, die auf der anderen Seite fehlt. Dafür trägt es einen kleinen Wanderrucksack, obwohl der im Prompt gar nicht vorkam. Weil sich Inputs auch kombinieren lassen, ist am rechten Bildrand weiterhin das kalte Glas Wasser zu sehen. Schließlich kann demonstrieren auch ganz schön durstig machen.