Zeit 08.12.2025
10:46 Uhr

Krise in Benin: Staatengemeinschaft Ecowas schickt Truppen nach Benin


Nach einem Putschversuch sind Soldaten aus anderen westafrikanischen Ländern in Benin im Einsatz. Nigeria aktivierte die Luftwaffe, um die Lage zu beruhigen.

Krise in Benin: Staatengemeinschaft Ecowas schickt Truppen nach Benin
Die westafrikanische Staatengemeinschaft Ecowas hat eine militärische Eingreiftruppe nach Benin entsendet. Die Soldaten sollen die Regierung unterstützen und die verfassungsmäßige Ordnung des Landes schützen. An dem Einsatz sind Soldaten aus Nigeria , Sierra Leone, Ghana und der Elfenbeinküste beteiligt. Zuvor hatte es Berichte über einen Putschversuch in Benin gegeben . In der Nähe des Präsidentenpalasts waren Schüsse gefallen, eine Gruppe Militärs besetzte den staatlichen Fernsehsender und erklärte den Präsidenten Benins für abgesetzt. Am Sonntagabend gab Benins Präsident Patrice Talon dann bekannt, dass die Lage inzwischen vollständig unter Kontrolle sei . Zur Stabilisierung trug offenbar auch Nigerias Luftwaffe bei. Der Präsident Nigerias, Bola Ahmed Tinubu, sagte, die Luftwaffe sei auf Bitten Benins im Einsatz, um den Luftraum zu kontrollieren und schnelle Einsätze in Koordination mit dem Nachbarland durchzuführen. Er bestätigte zudem, dass nigerianische Bodentruppen bereits in Benin seien. Die Kampfflugzeuge hätten dabei geholfen, die Putschisten vom Sitz des staatlichen Fernsehens und aus einem Militärstützpunkt zu vertreiben, hieß es weiter. In Medienberichten war die Rede von Explosionen nach mutmaßlichen Luftangriffen in der Hafenstadt Cotonou, dem Regierungssitz. Innenminister Alassane Seydou teilte später mit, es habe sich nur um eine kleine Gruppe von Putschisten gehandelt. Präsident Talon dankte den Soldaten und der Militärführung, die dem Land und der Verfassung treu geblieben seien. Der Putschversuch werde nicht ungestraft bleiben, sagte Talon. Kritik am autoritären Stil des Präsidenten Benin ist ein landwirtschaftlich geprägter Staat mit rund 15 Millionen Einwohnern und einer großen Baumwollproduktion. Das Land gehört zu den ärmsten Staaten der Welt. Die frühere französische Kolonie zählte bislang zu den stabileren Demokratien in Afrika . Nach der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Frankreich 1960 war die Geschichte des westafrikanischen Landes zunächst von Putschversuchen dominiert. 1991 gelang ein friedlicher Wechsel von der Diktatur zu einer demokratischen Regierung. Danach galt das Land lange als gut funktionierende Mehrparteien-Demokratie. Der 67-jährige ehemalige Geschäftsmann Talon wird auch als "Baumwollkönig von Cotonou" bezeichnet. Nach zehn Jahren im Präsidentschaftsamt muss er laut Verfassung im April 2026 die Macht abgeben. Seine Amtszeit war von solidem Wirtschaftswachstum geprägt, jedoch auch von einer Zunahme islamistischer Gewalttaten. Zudem wächst die Kritik, Talon führe sein Land zunehmend autoritär. Zahlreiche Oppositionsführer wurden inhaftiert oder gingen ins Exil.