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29.11.2025
06:05 Uhr
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1099 erobern die Kreuzritter Jerusalem. Das Massaker gilt heute als prägend für das schwierige Verhältnis zwischen Christentum und Islam. Doch stimmt der Befund?

Im November 1095 ruft Papst Urban II. zum Kreuzzug auf. Auf dem Konzil von Clermont hält er eine Predigt vor fast 200 Erzbischöfen, Bischöfen und Äbten, immer wieder wird er von Rufen unterbrochen: "Deus lo vult!" , "Gott will es!" Es war der byzantinische Kaiser, der zuvor ein Hilfeersuchen an den Papst gesendet hatte. Er brauche Ritter, die ihm angesichts der Bedrohung durch die muslimischen Seldschuken in Anatolien zu Hilfe kommen. Doch was dann geschieht, dürfte selbst den Papst überrascht haben. In mehreren großen Gruppen finden sich Ritter, Bauern oder Tagelöhner zusammen, um Richtung Jerusalem zu ziehen. Rund dreieinhalb Jahre später erobert ein christliches Heer die Heilige Stadt von den muslimischen Fatimiden, verübt ein grausames Massaker an den muslimischen und jüdischen Einwohnern und errichtet einen Kreuzfahrerstaat: das Königreich Jerusalem. Immer wieder ist der Kreuzzug seitdem besungen und beklagt worden, oft wird er als tiefer Einschnitt in die Beziehung von Islam und Christentum gewertet, als blutiger Dreh- und Angelpunkt ihrer gemeinsamen Geschichte. Doch stimmt dieser Befund? Welches Echo fanden die Kreuzzüge damals in der islamischen Welt? In der neuen Folge von Wie war das noch mal? gehen wir dieser Frage nach. Wir erkunden die islamische Welt zur Zeit der Kreuzzüge und zeigen, wie Christen und Muslime nach der Eroberung Jerusalems zusammenleben. Wir lernen den Feldherren und späteren Sultan Saladin kennen, der Jerusalem bald für die Muslime zurückgewinnt und wir erzählen, warum die Angriffe der Kreuzfahrer für viele Muslime nicht mehr als ein Nebenschauplatz der Geschichte sind: Die größere Gefahr droht ihnen aus einer ganz anderen Richtung. Auch das aktuelle Heft von ZEIT Geschichte dreht sich um die Geschichte von Christentum und Islam, die oft zu einer Erzählung von ewiger Feindschaft stilisiert wird. Was ist echter Konflikt, was Mythos? Vom Leben Mohammeds bis in die Gegenwart spüren wir dieser Frage nach: Wieso büßte die muslimische Welt ihren zivilisatorischen Vorsprung ein? Was dachte Luther über den Islam? Und trug der europäische Kolonialismus zur Entstehung des Islamismus bei? Sie bekommen das Heft online im ZEIT Shop oder im Handel. Unter diesem Link können Sie eine Gratisausgabe von ZEIT Geschichte zum Testen bestellen. Alle Folgen des Podcasts hören Sie hier . Die Redaktion erreichen Sie per Mail unter zeitgeschichte@zeit.de . Die Einspielung des "Palästinalieds" von Walther von der Vogelweide stammt von der Sängerin Korydwenn. Es ist hier zu finden.