Zeit 22.12.2025
19:42 Uhr

Korruptionsvorwürfe: AfD in Sachsen-Anhalt will Jan Wenzel Schmidt ausschließen


Sachsen-Anhalts AfD-Landesverband hat ein Parteiausschlussverfahren gegen seinen früheren Generalsekretär Schmidt angestoßen. Beide Seiten werfen einander Korruption vor.

Korruptionsvorwürfe: AfD in Sachsen-Anhalt will Jan Wenzel Schmidt ausschließen
Der Landesvorstand der AfD in Sachsen-Anhalt hat ein Parteiausschlussverfahren gegen den früheren Generalsekretär Jan Wenzel Schmidt beschlossen. Schmidts Verhalten habe "grundlegend gegen die innere Ordnung der Partei" verstoßen, teilte die Partei mit. Der Vorstand entzog Schmidt mit sofortiger Wirkung seine Rechte als Parteimitglied. Ebenfalls ausgeschlossen werden soll demnach Landesschatzmeister Matthias Lieschke. Schmidt war von 2022 bis Februar 2025 Generalsekretär der AfD in Sachsen-Anhalt. Der Bundestagsabgeordnete steht seit Monaten in der Kritik. In der AfD heißt es, Schmidt habe sein Bundestagsmandat ausgenutzt, um private Geschäftsbeziehungen etwa nach China aufzubauen. Dem Vernehmen nach wird ihm zudem vorgeworfen, Mitarbeiter seiner Firma in seinem Bundestagsbüro angestellt zu haben. Schmidt weist die Vorwürfe zurück. Die Entwicklung sei unschön, er werde den Wahlkampf dennoch unterstützen und zugleich alle parteiinternen Instanzen beschreiten, "um dieses ungerechtfertigte Ausschlussverfahren aufzuheben", sagte Schmidt der ZEIT. Schmidt wirft Parteikollegen Vetternwirtschaft vor Auch Schmidt selbst hat vor einigen Tagen Vorwürfe gegen seine Parteikollegen erhoben. Demnach sollen AfD-Landtagsabgeordnete Reisen falsch abgerechnet haben. Außerdem geht es um den Vorwurf der Vetternwirtschaft. Ehefrauen, Kinder oder Geschwister von Mitgliedern des Landesvorstands sollen bei Abgeordneten beschäftigt worden sein. Schmidt kündigte an, dafür Belege vorlegen zu wollen. Die Landtagsverwaltung will die Fahrtkostenabrechnungen von AfD-Abgeordneten überprüfen. Aus dem AfD-Landesvorstand gibt es dazu bisher keine Stellungnahme. Lieschke wird vorgeworfen, dass er ein Kreisspitzentreffen, das Anfang Dezember als Videokonferenz stattfand, heimlich aufgenommen und die Audiodatei an Schmidt weitergeleitet haben soll. Lieschke äußerte sich dazu nicht. Schmidt teilte mit, er habe keine Aufnahme von Lieschke erhalten. In Sachsen-Anhalt findet die nächste Landtagswahl am 6. September statt. Die AfD ist in Umfragen mit Abstand stärkste Kraft. Der Verfassungsschutz stuft den Landesverband als gesichert rechtsextrem ein.