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02.12.2025
16:16 Uhr
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Eine Statue des ermordeten Politikers Walter Lübcke soll die CDU vor einer Zusammenarbeit mit der AfD warnen. Bürgermeister Kai Wegner nannte die Aktion "widerlich".

Vor dem Konrad-Adenauer-Haus in Berlin haben Aktivisten eine lebensgroße Statue des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) aufgestellt. Das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) will die CDU damit an ihre Verantwortung erinnern, nicht mit der AfD zusammenzuarbeiten: "Es gibt keine Machtoption für die AfD ohne die CDU", schrieb das Kollektiv dazu auf seiner Webseite: "Die Brandmauer der CDU muss stabiler werden – mit dem Andenken an Walter Lübcke." Die CDU dürfe diejenigen, die sich dem Rechtsextremismus in den Weg gestellt haben, nicht vergessen. Deshalb habe man die Erinnerung an den "letzten Helden der CDU" in Bronze gegossen und vor die CDU-Bundeszentrale gestellt, heißt es weiter. Wer die Brandmauer zu einer rechtsextremen Partei einreiße, verrate nicht nur Lübcke, sondern die Demokratie, steht auf einer Infotafel an der Statue. "Nur durch den Schulterschluss zwischen Konservativen und Nazis konnte der Rechtsextremismus in Deutschland die Macht an sich reißen. So war es damals. So kommt es wieder." In einem weiteren Schritt wollen die Aktivisten eine anliegende Straße in Walter-Lübcke-Straße umbenennen. Diese werde zum Mahnmal für den Schulterschluss von Konservativen und Faschisten. Das Bezirksamt Berlin-Mitte hat dem Projekt als Kunst im öffentlichen Raum eine Genehmigung für zwei Jahre erteilt. Der CDU-Politiker Lübcke war in der Nacht zum 2. Juni 2019 auf der Terrasse seines Wohnhauses im nordhessischen Wolfhagen-Istha von dem Rechtsextremisten Stephan E. erschossen worden. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main verurteilte ihn wegen Mordes. E. soll die AfD im Wahlkampf unterstützt haben. Lübcke war für seinen Einsatz für Geflüchtete bekannt. Berliner Bürgermeister nennt Aktion "widerlich" Die CDU kritisierte die Aktion des Künstlerkollektivs. Man verwehre sich "gegen die unaufrichtige Instrumentalisierung von Walter Lübcke durch linke Aktivisten wie das Zentrum für Politische Schönheit", sagte eine Sprecherin. Der Kampf gegen den politischen Extremismus und die Feinde unserer Demokratie sei eine Aufgabe aller Demokraten im Land. "Wer diesen Kampf aufrichtig mit uns führen will, darf sich nicht gegen die politische Mitte wenden", sagte die Sprecherin. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bezeichnete die Aktion als "widerlich". "Die Aktion des Zentrums für Politische Schönheit ist in ihrer Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten", schrieb er auf X. "Wer das Andenken Walter Lübckes derart schamlos für seine politische Agenda missbraucht, zeigt vor allem eines: Respektlosigkeit und Gleichgültigkeit gegenüber einem Menschen, der für unsere Demokratie eingestanden ist und dafür mit seinem Leben bezahlen musste." Das Zentrum für Politische Schönheit sorgt immer wieder mit politischen Aktionen für Aufsehen. Im Sommer störten Aktivisten mit einer Demonstration ein ARD-Interview mit der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel im Berliner Regierungsviertel. Einige Jahre zuvor hatte die Gruppe eine Stahlsäule auf dem Gelände der früheren Krolloper gegenüber dem Reichstagsgebäude aufgestellt. In der Krolloper hatten die Reichstagsabgeordneten im März 1933 für das Ermächtigungsgesetz gestimmt.