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28.01.2026
15:31 Uhr
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Die Regierung muss ihre Erwartungen an die Konjunktur senken: In diesem Jahr geht sie von nur noch einem Prozent Wachstum aus – größtenteils schuldenfinanziert.

Die Bundesregierung muss ihre Erwartungen an das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr senken. Für 2026 geht sie laut Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) von nur noch einem Prozent Wachstum aus. Damit senkt die Regierung ihre Wachstumsprognose um fast ein Drittel: Im Herbst war sie noch von 1,3 Prozent Wachstum in diesem Jahr ausgegangen. 2025 war die Wirtschaft nach zwei Rezessionsjahren minimal um 0,2 Prozent gewachsen. Somit bleiben die Prognosen für die deutsche Wirtschaft hinter den Erwartungen an andere vergleichbare Volkswirtschaften zurück. Grund dafür ist nach Angaben der Bundesregierung, dass die Erholung von der Rezession im zweiten Halbjahr 2025 schwächer ausgefallen sei als erwartet. Vor allem die Industrie steckt weiterhin in einer Krise, der Export zieht ebenfalls kaum an. Als weitere Ursache für die gesenkten Erwartungen nennt die Bundesregierung, dass sich staatliche Investitionen langsamer auf die Wirtschaftsleistung auswirken als ursprünglich vermutet. Denn das für dieses Jahr erwartete Wachstum fußt laut Reiche vor allem auf sogenannten Sondervermögen , die im vergangenen Jahr beschlossen wurden. Demnach gehen zwei Drittel des erwarteten Wachstums auf die schuldenfinanzierten Investitionen in die Infrastruktur sowie die gesteigerten Rüstungsausgaben zurück. Bereits vergangene Woche hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) in einem Auftritt beim Weltwirtschaftsforum Unmut darüber bekundet. Das erwartete Wachstum von je etwa einem Prozent für dieses und kommendes Jahr sei schuldenfinanziert, klagte Merz in Davos. Um nachhaltig Wachstum zu sichern, seien Reformen nötig. Konkret nannte der Kanzler Bürokratie, hohe Energiepreise, Steuern und hohe Arbeitskosten als Belastungen für die Konjunktur. Bundesregierung will Bürokratie zurückdrängen Die Bundesregierung werde sich nun auf den Rückbau der "überbordenden Bürokratie" konzentrieren, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Steffen Meyer bei der Bekanntgabe der aktualisierten Wachstumsprognose. "Die Vorhaben des Entlastungskabinetts, der Modernisierungsagenda und zur Beschleunigung von Planungs- und Genehmigungsverfahren werden nun Schritt für Schritt umgesetzt", sagte Meyer. "Wir sind wirtschaftlich noch nicht da, wo wir hinwollen." Im Jahreswirtschaftsbericht der Bundesregierung heißt es zudem, weitere Reformen müssten auf die Anwerbung von Fachkräften und niedrigere Energiepreise abzielen. Zudem müsse die Wirtschaftsförderung durch den Staat effizienter werden: So sollen Subventionen stärker auf ihre Wirksamkeit überprüft werden. Parallel zu angestrebten Reformen baut der Bund in diesem Jahr seine Ausgaben für Investitionen gegenüber 2025 aus. In diesem Jahr sollen sie auf knapp 129 Milliarden Euro steigen. Demgegenüber ist im Bundeshaushalt eine geplante Neuverschuldung von 98 Milliarden Euro festgehalten, die inklusive der Sonderhaushalte für Bundeswehr und Infrastruktur sowie Ausgaben aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) auf knapp 182 Milliarden Euro steigt – und damit auf den zweithöchsten Wert in der Bundesgeschichte.