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19.11.2025
13:12 Uhr
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Die Kritik an den Aussagen des Bundeskanzlers über Brasilien reißt nicht ab. Die Grünen werfen ihm Respektlosigkeit vor. Vizekanzler Klingbeil verteidigt Merz.

Nach Kritik aus Brasilien an Äußerungen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Bundesvorsitzende der Grünen, Katharina Dröge , dem Kanzler Respektlosigkeit vorgeworfen. Das Bild, das der Kanzler bei seiner Brasilienreise abgegeben habe, sei "außenpolitisch taktlos, klimapolitisch ambitionslos und gegenüber Brasilien schlicht respektlos" gewesen, sagte Dröge der Nachrichtenagentur dpa. "Langsam fragt man sich, ob der Kanzler überhaupt noch irgendwo auftreten kann, ohne Deutschland in Erklärungsnot zu bringen", so Dröge. Auch aus den Reihen des Koalitionspartners kommt Kritik. Merz bediene in seinen Äußerungen "das Vorurteil des 'arroganten Deutschen'", sagte die SPD-Bundestagsabgeordnete Isabel Cademartori dem Spiegel – noch dazu in einer Phase, in der das Ansehen westlicher Staaten in Südamerika insbesondere durch das Auftreten von US-Präsident Donald Trump leide. Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) verteidigte dagegen die Äußerungen von Merz. "Ich bin immer dafür, dass Politiker auch mal frei reden dürfen", sagte Klingbeil bei einer Reise in China. Insgesamt sei die Reise von Merz nach Brasilien ein guter Besuch gewesen – und auch die "Irritationen" werde man sehr schnell ausräumen. Heftige Kritik aus Brasilien In einer Rede auf dem Handelskongress in Berlin hatte Merz vergangene Woche eine Anekdote über Belém kolportiert, die von vielen als herabwürdigend verstanden wurde. Auf die Frage, wer denn in Belém leben wolle, habe "keiner die Hand gehoben", als er diese Frage während der Klimakonferenz an anwesende Journalisten gerichtet habe. "Die waren alle froh, dass wir vor allen Dingen von diesem Ort, an dem wir da waren, in der Nacht von Freitag auf Samstag wieder nach Deutschland zurückgekehrt sind", sagte Merz wörtlich. Für seine Worte war der Kanzler in Brasilien heftig kritisiert worden . Beléms Bürgermeister Igor Normando bezeichnete die Äußerung als "unglücklich, arrogant und voreingenommen". Der Bürgermeister der brasilianischen Hauptstadt Rio de Janeiro, Eduardo Paes, beschimpfte Merz auf X zwischenzeitlich sogar als "Nazi", löschte seinen Post aber kurz darauf. Schließlich meldete sich auch Präsident Luiz Inácio Lula da Silva. Merz hätte in Belém in eine Bar gehen, dort tanzen und die lokale Küche ausprobieren sollen, sagte Lula. Denn "dann hätte er gemerkt, dass Berlin ihm nicht einmal zehn Prozent der Qualität bietet, die der Bundesstaat Pará und die Stadt Belém bieten".