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11.12.2025
11:05 Uhr
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Wie viele Rechte ein Kind hat, hängt nicht nur vom Elternhaus, sondern auch stark vom Wohnort ab. So schneiden etwa NRW und Hessen schlecht ab.

Die Rechte von Kindern sind in Deutschland regional sehr unterschiedlich verteilt. Das zeigt der Kinderrechte-Index für das Jahr 2025, der vom Kinderhilfswerk vorgestellt worden ist. Dieser soll untersuchen, wie weit die einzelnen Bundesländer mit der Umsetzung der vor mehr als drei Jahrzehnten beschlossenen UN-Kinderrechtskonvention sind. So wurde etwa betrachtet, was Länder und Kommunen für Kindertagesbetreuung ausgeben, wie viele Kinderärzte es gibt oder inwieweit Kinder Mitbestimmungsmöglichkeiten in Kommune, Schule und Verein haben. Kein Bundesland setze die Kinderrechte umfassend um, kritisierte das Kinderhilfswerk. Berlin, Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein und Thüringen schneiden im Vergleich noch gut ab. Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Sachsen liegen im Durchschnitt. Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, das Saarland und Sachsen-Anhalt wurden insgesamt unterdurchschnittlich bewertet. "Von gleichwertigen Lebensverhältnissen kann – insbesondere bezogen auf die Kinderrechte – keine Rede sein", sagte die Vizepräsidentin des Kinderhilfswerks, Anne Lütkes. Unterschiede gebe es etwa bei frühkindlichen Bildungsangeboten und den Möglichkeiten der Mitbestimmung in Kommunen, Schulen und Vereinen. Auch die ärztliche Versorgung, die Förderung von Kinder- und Jugendarbeit und Kinderschutzsysteme seien unterschiedlich ausgeprägt. "Umsetzung Frage des politischen Willens" Die Umsetzung von Kinderrechten sei dabei an vielen Stellen keine alleinige Frage der Kassenlage, sondern vielmehr eine "des politischen Willens", so Lütkes. Das Kinderhilfswerk fordert von Bund und Ländern bereichsübergreifende Strategien mit klaren Zuständigkeiten und verbindlichen Zielen. Etwa sollen Kinder und Jugendliche an allen Entscheidungen beteiligt werden, die sie betreffen, es müsse mehr in Bildung investiert werden und in Hilfsangebote, etwa für geflüchtete Kinder und Kinder mit psychosozialen und mentalen Problemen . Zudem fordert das Kinderhilfswerk ein bundesweites, indikatorengestütztes Kinderrechte-Monitoring, weil in vielen Bereichen weiterhin aussagekräftige und vergleichbare Daten fehlen würden. Für den Kinderrechte-Index wurden den Angaben zufolge das Recht auf Beteiligung, das Recht auf Schutz, das Recht auf Gesundheit, das Recht auf einen angemessenen Lebensstandard , das Recht auf Bildung und das Recht auf Ruhe und Freizeit, Spiel und Erholung sowie Teilnahme am kulturellen und künstlerischen Leben in den Mittelpunkt gestellt. Die UN-Kinderrechtskonventionen sind ein internationales Abkommen mit 54 Artikeln, in dem Kinderrechte völkerrechtlich verbindlich festgeschrieben sind, vom Recht auf Bildung über Schutz vor Gewalt bis hin zur freien Meinungsäußerung.