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28.01.2026
08:58 Uhr
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Einer Studie zufolge hat nur jede siebte Kita genügend Personal für eine bedarfsgerechte Förderung. Demnach gibt es große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland.

Ein Großteil der Kindertagesstätten in Deutschland ist einer Studie zufolge von Personalmangel betroffen. Lediglich jede siebte Einrichtung verfüge über die wissenschaftlich empfohlene Personalbesetzung, um eine gute frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung zu gewährleisten, hieß es in einer Mitteilung der Bertelsmann Stiftung und des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖiF) an der Uni Wien. 2024 arbeiteten demnach bundesweit nur 13,7 Prozent der Kitas mit einer 100-Prozent-Personalausstattung. Zudem gebe es große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland: Den Angaben nach erreichten 16,3 Prozent der westdeutschen Kitas eine bestmögliche Fachkraftquote, in Ostdeutschland waren es dagegen zwei Prozent. Jede fünfte Kita arbeitete indes mit 60 Prozent Personal. Hier waren es in westdeutschen Bundesländern etwa 11 Prozent, in ostdeutschen hingegen mit 65,3 Prozent etwa zwei Drittel. Höhere Personalstunden für Kinder mit besonderen Anforderungen erforderlich Bei der Ausstattung mit pädagogisch tätigem Personal gebe es in allen Bundesländern Handlungsbedarf, heißt es in der Untersuchung. Für eine hochwertige Förderung von Kindern mit besonderen pädagogischen Anforderungen brauche es zusätzliche Personalstunden. In Baden-Württemberg und Bremen verfügte demnach 2024 rund ein Drittel der Kitas über die bestmöglichen Personalressourcen, gefolgt von Niedersachsen mit knapp 20 Prozent und Schleswig-Holstein mit etwa 17 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen verfügten etwa 84 Prozent der Kitas über maximal 60 Prozent der benötigten Fachkräfte. Personalmangel kann negative Auswirkungen auf die Entwicklung haben Viele Kitas seien für ihren gesetzlichen Auftrag als Bildungseinrichtung nicht angemessen ausgestattet, teilte Bildungsexpertin Kathrin Bock-Famulla mit. Sie warnte zudem vor "pädagogisch unangemessenem Handeln der Fachkräfte" aufgrund von Überlastung infolge erheblichen Personalmangels. Negative Folgen könne das zum Beispiel auf die Sprachbildung der Kinder haben. Das laut Koalitionsvertrag von Union und SPD geplante Startchancen-Programm für Kitas könne Verbesserungen bringen und hilfreich sein, um soziale Ungleichheiten sichtbar zu machen und Fördermittel gezielter einzusetzen. Wann die Förderung kommt, bleibt allerdings offen. Zudem biete sich in den ostdeutschen Bundesländern angesichts sinkender Geburtenzahlen eine historische Chance für optimale Personalquoten, sagte Bock-Famulla. Tatsächlich komme es aber zur Schließung von Gruppen oder ganzen Einrichtungen. In der Mehrheit der Länder steige die Personalausstattungsquote, je höher der Anteil der Kinder mit einer Behinderung sei, sagte Andreas Baierl vom ÖiF. Zusätzliches Personal führe nur dann zu einer kindgerechten frühen Bildung , wenn die Mitarbeitenden pädagogisch qualifiziert seien und die Teamprozesse gut funktionierten, teilten die Experten zudem mit. Forscherinnen und Forscher entwickelten Personalausstattungsquote Für die Analyse entwickelten die Forscherinnen und Forscher eine sogenannte Personalausstattungsquote. Diese solle mehrere zentrale Faktoren in den heterogenen Gruppen differenziert berücksichtigen und in einer einzigen Kennziffer zusammenfassen. Neben Kitagröße und Alterszusammensetzung sei auch der Anteil der Kinder berücksichtigt worden, die zu Hause nicht Deutsch sprechen, sowie die Zahl der Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung, die eine Eingliederungshilfe benötigen. Demnach sprachen 2024 von den mehr als 3,55 Millionen Kitakindern in Deutschland rund 820.640 in der Familie vorrangig nicht Deutsch. Etwa 96.365 Kitakinder erhielten Eingliederungshilfe.