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17.01.2026
11:48 Uhr
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Die kurdischen SDF haben wie angekündigt mit dem Abzug aus zwei Orten östlich von Aleppo begonnen. Noch währenddessen kam es zu erneuten Gefechten mit Syriens Armee.

Die syrische Armee hat nach eigenen Angaben die Kontrolle über mehrere Orte östlich von Aleppo übernommen. Die Regierungstruppen rückten in die Städte Deir Hafir und Maskana ein, nachdem die kurdisch angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) in der Nacht ihren Rückzug angekündigt hatten. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete, die Armee sei nun damit beschäftigt, die Lage zu sichern und Landminen zu räumen. Zuvor hatte das syrische Militär die Gebiete zu militärischen Sperrzonen erklärt und die SDF aufgefordert, sich auf die Ostseite des Euphrats zurückzuziehen. Die SDF kritisierten das Vorgehen der Armee. Regierungstruppen seien in beide Orte eingedrungen, bevor der Abzug der kurdischen Kräfte abgeschlossen gewesen sei, teilten die SDF auf X mit. Sie warfen der Übergangsregierung vor, eine "äußerst gefährliche Situation mit möglicherweise ernsten Folgen" geschaffen zu haben. In einem weiteren Statement gaben die SDF an, dass es in Maskana zu erneuten Kämpfen gekommen sei. Mehr als 100.000 Menschen vertrieben Die syrische Armee hatte SDF-Stellungen in den betroffenen Gebieten zuvor mit Artillerie und Raketen beschossen. Anwohner berichteten von heftigem Feuer. Die Armee bezeichnete die angegriffenen Orte als Militärbasen, die von den SDF und ihren Verbündeten genutzt würden. Die SDF bestritten diese Darstellung. SDF-Kommandeur Maslum Abdi bezeichnete den Rückzug als "Geste des guten Willens" im Rahmen eines Abkommens zur Eingliederung der SDF in die syrischen Streitkräfte. Die Entscheidung sei auf Bitten "befreundeter Länder und Vermittler" erfolgt. Nach Medienberichten spielten die USA eine Vermittlerrolle. Durch die Kämpfe in den vergangenen zwei Wochen sind nach UN-Angaben insgesamt mehr als 100.000 Menschen vertrieben worden. Allein aus Deir Hafir und Maskana flohen nach Behördenangaben rund 4.000 Menschen. Konflikt über Integration in die Armee Hintergrund der Spannungen ist ein Streit über die Integration der bisher autonom geführten kurdischen Verwaltungen in die staatliche Ordnung. Die von Interimspräsident Ahmed al-Scharaa geführte Übergangsregierung wirft den SDF vor, Anhänger der gestürzten Assad-Regierung sowie Mitglieder der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK in ihren Reihen zu dulden. Die SDF weisen diese Vorwürfe zurück. Kurdische Vertreter befürchten weitere Diskriminierungen und den Verlust ihrer Rechte unter der neuen Führung in Damaskus. Die SDF hatten im syrischen Bürgerkrieg eine führende Rolle im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) übernommen und sind bis heute ein enger Verbündeter der USA. Sie warnen vor einem möglichen Wiedererstarken des IS, sollte der Konflikt mit der Übergangsregierung weiter eskalieren.