|
09.12.2025
16:39 Uhr
|
An der Grenze zwischen Kambodscha und Thailand sind heftige Gefechte ausgebrochen. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht. Kambodscha zeigt sich bereit zu Gesprächen.

Kambodscha hat sich im eskalierenden Konflikt mit Thailand zu bilateralen Gesprächen bereiterklärt, um die Kämpfe an der Grenze zu beenden. "Nehmen wir an, in einer Stunde einigen sich beide Seiten darauf, sich an den Verhandlungstisch zu setzen und dann mit der Kommunikation zu beginnen", sagte Suos Yara, leitender Berater des kambodschanischen Premierministers Hun Manet, in einem Videointerview mit der Nachrichtenagentur Reuters. "Das wäre eine sehr gute Idee." Nur rund sechs Wochen nach Unterzeichnung eines Waffenruheabkommens zwischen Thailand und Kambodscha war die Gewalt an der gemeinsamen Grenze zuletzt eskaliert. Vielerorts entlang der 800 Kilometer langen Grenze der südostasiatischen Länder tobten heftige Gefechte. Mehr als 140.000 Bewohner des Grenzgebiets beider Seiten mussten in hunderte Schutzunterkünfte oder sicherere Landesteile flüchten. Die Vereinigten Staaten zeigten sich besorgt über die anhaltenden Kämpfe und Opfer entlang der Grenze, teilte das US-Außenministerium mit. "Wir fordern nachdrücklich die sofortige Einstellung der Feindseligkeiten, den Schutz der Zivilbevölkerung und die Rückkehr beider Seiten zu den in den Friedensabkommen von Kuala Lumpur vom 26. Oktober festgelegten Deeskalationsmaßnahmen", sagte Außenminister Marco Rubio in einer Stellungnahme. Thailand attackiert Kambodscha aus der Luft Beide Länder gingen mit Soldaten am Boden und teils unter Einsatz schwerer Geschütze gegeneinander vor. Die thailändische Luftwaffe flog nach Angaben einheimischer Medien weitere Angriffe auf mutmaßliche kambodschanische Armeestellungen. Ziel sei, das Militär des Nachbarstaats langfristig zu dezimieren, zitierte die Zeitung Bangkok Post den Generalstabschef des Militärs, Chaiyaphreuk Duangpraphat. Damit solle die Sicherheit der künftigen Generationen in Thailand gewährleistet werden. Kambodschas Senatspräsident Hun Sen sagte, man habe zunächst Zurückhaltung gewahrt, um den am 26. Oktober vereinbarten Waffenstillstand zu respektieren. Doch inzwischen werde gekämpft, um sich zu verteidigen, und zwar mit "Schützengräben und Waffen aller Art". Ungleicher Kampf laut Sicherheitsexperte Das thailändische Nachrichtenportal Khaosod berichtete auf der Plattform X unter Berufung auf das Militär von heftigen kambodschanischen Angriffen auf thailändisches Hoheitsgebiet, unter anderem mit Mörsern und Artillerie. Der Bangkok Post zufolge wurde auch die thailändische Marine eingesetzt, um in der Provinz Trat kambodschanische Soldaten aus dem von ihnen besetzten Grenzgebiet zu verdrängen. Weder die Angaben aus Kambodscha noch aus Thailand ließen sich zunächst unabhängig überprüfen. Der Leiter der Forschungsgruppe Asien von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Felix Heiduk, sagte der Nachrichtenagentur dpa, der Kampf sei ein ungleicher. "Kambodschas Armee hat nur ein Drittel der Größe der Armee Thailands, das Militärbudget ist weitaus geringer und das Land hat überhaupt keine Luftwaffe", so der Experte der Stiftung. Ob Thailand seine militärische Überlegenheit nutzen werde, um zum Beispiel Gebiete zu annektieren, sei allerdings reine Spekulation. Mehrere Tote und Verletzte Kambodscha und Thailand beschuldigen sich seit Sonntag, eine zuletzt geltende Waffenruhe im Grenzgebiet zuerst verletzt zu haben. Die thailändische Armee teilte mit, seit Montag seien drei Soldaten getötet worden. Am Dienstag sei ein Soldat durch indirekten Beschuss in der Provinz Surin gestorben. Ein weiterer sei in der Nähe des Tempels Preah Vihear von einer Granate getötet worden. Etwa 30 weitere Soldaten seien seit der Wiederaufnahme der Kämpfe verletzt worden. Auf kambodschanischer Seite wurden nach Angaben des Innenministeriums sieben Zivilisten getötet. Zwei von ihnen seien in der Nacht auf einer Straße durch thailändischen Beschuss getötet worden. Etwa 20 weitere Menschen seien verletzt worden. Alle Angaben können nicht unabhängig überprüft werden. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in das unmittelbare Grenzgebiet und rät auch von Reisen in Provinzen in Grenznähe ab. Touristen wird geraten, sich in die Krisenvorsorgeliste des Auswärtigen Amts einzutragen. Bei dem Konflikt geht es um eine unklare Grenzziehung aus der Kolonialzeit im sogenannten Smaragd-Dreieck. Dort grenzen die thailändische Provinz Surin und die kambodschanische Provinz Oddar Meanchey sowie Laos aneinander.