Zeit 19.12.2025
11:26 Uhr

Kabul Luftbrücke: NGO warnt vor Abschiebung gefährdeter Afghanen aus Pakistan


Einige gefährdete Afghanen will Deutschland noch aufnehmen, dennoch warten weiterhin 850 auf eine Einreiseerlaubnis. Ihnen droht andernfalls die Abschiebung aus Pakistan.

Kabul Luftbrücke: NGO warnt vor Abschiebung gefährdeter Afghanen aus Pakistan
Viele Afghaninnen und Afghanen, die in Pakistan auf ihre Aufnahme in Deutschland warten, werden das Land wahrscheinlich verlassen müssen. Davon geht die NGO Kabul Luftbrücke aus. Nach der Ankündigung von Innenminister Alexander Dobrindt (CSU), bis Ende des Jahres weitere 535 gefährdete Personen nach Deutschland zu holen , würden weiterhin rund 850 Menschen vor Ort warten, ob sie ebenfalls eine Einreiseerlaubnis erhalten, sagte Eva Beyer, Sprecherin der Organisation, im Deutschlandfunk . Sollte dies nicht passieren, würde diesen Menschen nicht viel mehr bleiben, als nach Afghanistan zurückzukehren, sagte Beyer. Pakistan schiebe in großen Zahlen nach Afghanistan ab, zuletzt bis zu 3.000 Menschen am Tag – obwohl die Betroffenen dort zumeist von Haft, Folter und Gewalt bedroht sind, weil sie sich gegen die herrschenden Taliban gestellt haben. Nach Schätzung von Kabul Luftbrücke handele es sich bei 75 Prozent der Menschen um Frauen und Kinder, sagte Beyer. Rückführung bis Jahresende kaum umsetzbar Am Donnerstag hatte Dobrindt angekündigt, bis Jahresende weitere 535 gefährdete Afghaninnen und Afghanen mit einer Aufnahmezusage aus Pakistan nach Deutschland einreisen zu lassen. Damit wolle man das Rückholprogramm "so weit wie möglich im Dezember abschließen", sagte der Innenminister. Pakistan wiederum setzte der Bundesregierung eine Frist und kündigte an, die verbliebenen Menschen ab Januar konsequent abzuschieben. Sollten die pakistanischen Behörden das tun, gefährdet dies laut Beyer auch jene Menschen, die bereits eine Aufnahmezusage haben. Rein logistisch sei eine Überführung der mehr als 500 Menschen nach Deutschland binnen zwei Wochen kaum umsetzbar. Zudem hätten nach Schätzung von Kabul Luftbrücke deutlich mehr als die von Dobrindt genannten 535 Personen das Recht auf eine Aufnahme in Deutschland, darunter rund 100 Ortskräfte. "Das heißt, da sind noch weiterhin Menschen dabei, für die Deutschland auch eine Verantwortung trägt, auch eine eventuell strafrechtliche Verantwortung", sagte Beyer. Dobrindt blockiert neue Sicherheitsüberprüfungen Den insbesondere von Dobrindt geäußerten Sicherheitsbedenken bei der Aufnahme von gefährdeten Afghaninnen und Afghanen erteilte Beyer eine klare Absage. Die Betroffenen seien die mit am meisten durchleuchteten Menschen überhaupt, an deren Sicherheitsüberprüfungen unter anderem das BKA, der Verfassungsschutz und die Bundespolizei beteiligt gewesen seien: "Das heißt, man weiß eigentlich sehr genau, wer die Leute sind, die hier kommen." Darüber hinaus habe Dobrindt seit seinem Amtsantritt keine neuen Termine für Sicherheitsinterviews mehr vergeben, die Menschen hätten also nicht einmal mehr die Möglichkeit, die notwendigen Sicherheitsüberprüfungen zu durchlaufen. Die schwarz-rote Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, die Aufnahmeprogramme aus Afghanistan "so weit wie möglich" zu beenden. Im Juli entschied das Verwaltungsgericht Berlin , dass Deutschland sich an vorangegangene Zusagen halten müsse. Dobrindt sagte, nur ein Teil der Personen mit Aufnahmezusage habe nach Einschätzung seines Ministeriums eine rechtsverbindliche Zusage, andere sollten kein Visum erhalten. Kabul Luftbrücke setzt sich mit regelmäßigen Klagen für die Fortsetzung des Aufnahmeprogramms für besonders gefährdete Afghaninnen und Afghanen ein und forderte die Bundesregierung auf, sich an gemachte Zusagen zu halten.