Zeit 21.11.2025
11:58 Uhr

KI-Kooperationen: Buddeln in Brandenburg, babbeln in Berlin


Macron und Merz beschwören KI-Kooperationen. Schwarz-Gruppe investiert elf Milliarden Euro in neues Rechenzentrum. Google veröffentlicht Gemini 3. Der KI-Newsletter

KI-Kooperationen: Buddeln in Brandenburg, babbeln in Berlin
Sie lesen den KI-Newsletter " Natürlich intelligent " vom 20. November 2025. Um den Newsletter jeden Donnerstag per Mail zu erhalten, melden Sie sich hier an . Kennen Sie den Spruch: Wenn du nicht mehr weiterweißt, bilde einen Arbeitskreis? Daran musste ich diese Woche denken, als in Berlin der lang erwartete Gipfel für digitale Souveränität der Bundesregierung stattfand . Einerseits klingt vieles recht konkret, was dort angekündigt wurde: Insgesamt zwölf Milliarden Euro wollen deutsche und französische Unternehmen investieren, um die technologische Unabhängigkeit von den USA und China voranzutreiben. Und: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz haben dort gleich 18 KI-Partnerschaften verkündet, die sich um die Entwicklung und Anwendung künstlicher Intelligenz drehen. Unter anderem werden das französische KI-Start-up Mistral und der deutsche Softwarehersteller SAP enger zusammenarbeiten. Aber andererseits sind es eben doch vor allem Ankündigungen. Und das Geld kommt offenbar komplett aus der Wirtschaft. Die Regierungen von Deutschland und Frankreich hingegen bilden einen Arbeits..., äh, Verzeihung, eine Taskforce für digitale Souveränität. Das müssen Sie wissen: Schwarz-Gruppe investiert elf Milliarden Euro in ein neues Rechenzentrum Auf rund 13 Hektar soll in Lübbenau im Spreewald das neue Rechenzentrum der Schwarz-Gruppe entstehen . Elf Milliarden Euro will die Muttergesellschaft von Lidl und Kaufland dafür investieren – die bislang größte Einzelinvestition in der Unternehmensgeschichte. In zwei Jahren soll das Rechenzentrum fertig sein, bis zu 100.000 Chips sollen darin rechnen. Beim Spatenstich in dieser Woche mit dabei: Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU). "Deutschland braucht Rechenpower, wenn wir in der ersten Liga bei Künstlicher Intelligenz mitspielen wollen", sagte Wildberger. Einen könnte all das eher nervös machen: den Chef des schwedischen Zahlungsdienstleisters Klarna, Sebastian Siemiatkowski. Er ist eigentlich ein enthusiastischer KI-Befürworter, meint nun aber: Es brauche weniger Rechenleistung, um eine fortschrittliche KI zu betreiben, als die Technologieunternehmen gerade in Rechenzentren investieren. Das sagte er der Financial Times . Siemiatkowski hält auch den Chiphersteller Nvidia für überbewertet. Damit ist er nicht allein. In dieser Woche ist auch bekannt geworden, dass sowohl der japanische Konzern Softbank als auch der Fonds von Peter Thiel Anteile an Nvidia verkauft haben. Bislang allerdings geht es dem wertvollsten Unternehmen der Welt weiterhin blendend. Die Quartalszahlen, die Nvidia am Mittwoch vorstellte, haben die Erwartungen vieler Investoren weit übertroffen – und damit die Sorgen vor einer KI-Blase gedämpft. Der Umsatz von Nvidia stieg im dritten Quartal um 62 Prozent und der für das kommende Quartal soll noch höher ausfallen als bislang erwartet. Damit geht der KI-Boom an der Börse in seine nächste Runde, berichtet mein Kollege Victor Gojdka . Darüber sollten Sie nachdenken: Wikipedias doppeltes KI-Problem Die Online-Enzyklopädie Wikipedia ist eine der wichtigsten Quellen für Fakten im Internet. Aber: Die Zahl der Wikipedia-Leser ist rückläufig, wohl, weil Menschen häufiger ChatGPT, Gemini oder Perplexity befragen. Diese Bots werden vermutlich auch mit den Texten der Wikipedia trainiert. Ein Indiz dafür ist, dass die Zahl der automatisierten Zugriffe deutlich angestiegen ist. Dass die Texte in der Enzyklopädie frei verfügbar sind, könnte also letztlich dazu beitragen, dass die Zahl der Wikipedia-Leser sinkt. Und gleichzeitig hat die Wikipedia noch ein anderes KI-Problem. Dass künstlich generierte – und mitunter falsche – Texte dort immer häufiger auftauchen, berichtet in dieser Woche mein Kollege Omid Rezaee . Er schreibt: Fünf Prozent der neuen englischsprachigen Inhalte enthalten laut einer Studie inzwischen KI-Inhalte. Unter anderem waren nicht existierende Bücher als Quellenangaben in Artikeln zu finden. Aber es dauerte, bis es auffiel, denn zunächst klangen die Angaben plausibel: Den Autor gab es wirklich, er hatte sogar zu dem betreffenden Thema publiziert, aber der Buchtitel und die ISBN waren erfunden. Typisch KI-Halluzination. Das können Sie ausprobieren: Gemini 3 Google hat in dieser Woche eine neue Generation seiner KI vorgestellt. Gemini 3 war mit Spannung erwartet worden und fällt in eine Zeit, in der es KI-mäßig gut läuft für Google, wie meine Kollegen Jakob von Lindern und Henrik Oerding analysieren . Gemini 3 wird in vielen Google-Produkten eine Rolle spielen, nicht zuletzt in der Suchmaschine. Ausprobieren kann man es in der Gemini-App oder in Googles Testumgebung AI Studio. Dort hat sich ein Kollege zu Testzwecken eine kleine Quiz-App programmieren lassen. Weil sich seine Kinder gerade für Asterix-Comics interessieren, drehen sich die Fragen um Gallier und Römer: Haben Druiden ihre Misteln damals tatsächlich mit goldenen Sicheln geschnitten? Gab es wirklich schon vor 2.000 Jahren Verkehrsstau in der gallischen Stadt Lutetia? Das funktionierte gut und schnell. Allerdings ist es mitunter nicht mehr so einfach, zu entscheiden, ob ein KI-Modell besser ist als ein anderes. Auch mit GPT-5.1 von OpenAI konnte er ein solches Quiz erstellen. Inhaltlich konnten beide Sprachmodelle die Aufgabe souverän erfüllen. Optisch, würde ich sagen, hatte die Quiz-App von Gemini die Nase vorn. Hier hüpften sogar animierte, zum Thema passende Emojis durchs Bild und es sah insgesamt kindgerechter und comic-mäßiger aus – einer der seltenen Fälle, in denen die Verwendung der Schriftart Comic Sans ein Pluspunkt ist.