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15.01.2026
16:26 Uhr
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Mit KI erzeugte Onlineinhalte würden historische Tatsachen verwässern, warnen KZ-Gedenkstätten. Sie verlangen, dass Betreiber von Netzplattformen dagegen vorgehen.

Mehr als 30 deutsche KZ-Gedenkstätten haben Betreiber großer Internetplattformen aufgerufen, gegen geschichtsverfälschende KI-Bilder vorzugehen . In einem offenen Brief, veröffentlicht von der Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme , warnen die Einrichtungen vor immer mehr mit künstlicher Intelligenz erstellten Inhalten mit Bezug auf den Nationalsozialismus, die "keine historischen Ereignisse abbilden, sondern frei erfunden sind". Diese Inhalte verfälschten die Geschichte durch "Verharmlosung und Verkitschung". So verbreiteten sich etwa KI-generierte Bilder , die angebliche Wiederbegegnungen zwischen Häftlingen und Befreiern zeigen, ebenso wie fiktive Darstellungen weinender Kinder hinter Stacheldraht. Solche Inhalte würden sich aus Bruchstücken tatsächlicher historischer Fakten und emotionalisierter Fiktion zusammensetzen, hieß es in dem Brief. Die erfundenen Postings tauchten seit Herbst 2025 vermehrt auf, sagte Arne Jost vom Netzwerk Digital History and Memory. Fast alle Unterzeichnerinnen und Unterzeichner des Briefes hätten innerhalb kürzester Zeit Beispiele für ihre Einrichtungen gefunden. "Diese Entwicklung beobachten wir mit großer Sorge" Die Gedenkstätten sehen hinter den Fake-Bildern zwei Motive: Zum einen gehe es um Reichweite und Werbeeinnahmen durch emotional wirksame Bilder; zum anderen würden solche Darstellungen gezielt genutzt, um historische Tatsachen zu verwässern oder Opfer‑ und Täterrollen zu verschieben. Plattformalgorithmen verstärkten diese Dynamik, indem sie hoch emotionalisierte Inhalte bevorzugten – unabhängig von ihrem Wahrheitsgehalt. "Diese Entwicklung beobachten wir mit großer Sorge", heißt es in dem Schreiben. KI-Bilder veränderten die Sehgewohnheiten der Nutzerinnen und Nutzer und führten zunehmend dazu, dass auch authentische Dokumente hinterfragt würden. "Mit jedem dieser Postings wird die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven und Forschungseinrichtungen entwertet und ihre Glaubwürdigkeit untergraben", hieß es. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören etwa die Gedenkstätten Buchenwald und Bergen-Belsen, Dachau, Flossenbürg und Ravensbrück. Sie fordern die Onlineplattformbetreiber auf, eigenständig gegen die verfälschenden Inhalte vorzugehen, ohne Meldungen von Nutzern abzuwarten. Konten, die solche Inhalte verbreiten, sollen "von allen Monetarisierungsprogrammen" ausgeschlossen werden, fordern die Gedenkstätten.