Zeit 05.02.2026
07:42 Uhr

Juso-Chef: Philipp Türmer wirft der Union "Klassenkampf" vor


Der Juso-Vorsitzende Türmer kritisiert die CDU für deren Arbeits- und Sozialpolitik. Die Union führe "einen Klassenkampf", schreibt Türmer in einem Gastbeitrag.

Juso-Chef: Philipp Türmer wirft der Union
Der Juso-Vorsitzende Philipp Türmer hat die CDU für deren Forderungen in der Arbeits- und Sozialpolitik angegriffen. In einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel wirft Türmer dem Koalitionspartner vor, einen Klassenkampf zu führen. "Er wird betrieben von einer Union, die zwar gelegentlich von Sozialpartnerschaft redet, tatsächlich aber keinen Interessenausgleich sucht", schreibt der Vorsitzende der SPD-Nachwuchsorganisation. Die Union wolle die Interessen einer kleinen Gruppe von Arbeitgebern gegen 46 Millionen Beschäftigte durchsetzen. Als Beispiele nannte Türmer die Debatte über die Teilzeit , das Arbeitszeitgesetz oder die telefonische Krankschreibung . "Der Klassenkampf ist längst da. Jetzt muss die SPD ihn mit führen und gewinnen." Es gehe um viel, es gehe um die Frage, wie der erwirtschaftete Wohlstand verteilt werde. Mit dem Begriff "Klassenkampf" greift Türmer die Debatte um SPD-Chefin Bärbel Bas auf, die von CDU-Seite nach Äußerungen über Vertreter der Arbeitgeber hart kritisiert worden war . "Die Union findet Klassenkampf nur dann problematisch, wenn er von unten geführt wird", sagte Türmer. Der Zeitpunkt von Türmers Gastbeitrag ist nicht zufällig, am Wochenende trifft sich die SPD-Spitze im Willy-Brandt-Haus zur Klausurtagung. Juso-Chef erneuert Forderung nach höherer Erbschaftsteuer Türmer fordert eine höhere Steuer auf Kapitalerträge und Erbschaften . Er kritisierte, dass der Sozialstaat "allein von Abgaben auf Arbeit" abhänge. Die pauschale Versteuerung von Kapitalerträgen mit 25 Prozent liege deutlich unter der Belastung mittlerer Arbeitseinkommen. Nirgends aber sei der Konflikt zwischen Arbeit und Kapital greifbarer als beim Erben: "Während Arbeitnehmer durch Abgaben und Verbrauchssteuern mehrfach zahlen, werden superreiche Erben nur belastet, wenn der Steuerberater einen Fehler macht." Auch die SPD habe Verteilungskonflikte zu lange ignoriert, während "Kulturkämpfe abseits der Lebensrealität vieler Menschen" die Debatte bestimmt hätten. Jetzt verschiebe sich der Fokus wieder zur Verteilung. Für die SPD ergebe sich damit die Chance, ihren Auftrag zu erneuern.