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16.02.2026
17:31 Uhr
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Kein Wintersportler hat mehr Olympiasiege als Johannes Høsflot Klæbo: neun sind es inzwischen. Was macht den Norweger so gut? Und geht das mit rechten Dingen zu?

Den Tag, vor dem er zum Rekord-Olympioniken aufstieg, verbrachte Johannes Høsflot Klæbo in seinem Hotelzimmer. Zu müde sei er gewesen nach der Anstrengung des Zehn-Kilometer-Rennens am Freitag. "Das Einzige, was ich am Samstag gemacht habe, war, im Bett zu liegen und Playstation zu spielen", erzählt Klæbo in der Pressekonferenz. Es wirkte: "Als ich am Sonntagmorgen aufwachte, hatte ich das Gefühl, dass es ein guter Tag werden würde." Es wurde sogar ein sehr guter Tag. Norwegens Staffel gewann mit Klæbo als Schlussläufer wie erwartet souverän und ohne gefordert zu werden olympisches Gold im Langlaufstadion von Tesero. Für Klæbo war es bereits der vierte Sieg bei diesen Olympischen Spielen sowie das neunte Olympiagold insgesamt – und damit ein ganz spezieller Triumph: Klæbo ist seit Sonntag der erfolgreichste Winter-Olympionike. Hinter ihm, mit acht Goldmedaillen, drei weitere Norweger: Marit Bjørgen, eine Langläuferin, Ole Einar Bjørndalen, ein Biathlet, und Bjørn Dæhlie, auch er Langläufer. "Das ist ein unglaubliches Gefühl. Ich bin wirklich stolz auf das, was ich erreicht habe. Ich werde versuchen, den Moment zu genießen. Ich freue mich sehr darüber, dass ich nun allein an der Spitze dieser Liste stehe", sagte Klæbo am Sonntag nach seinem Einsatz in der Loipe und sah dabei entspannt aus. Er konnte es tatsächlich schon im Rennen ruhig angehen lassen, sein Vorsprung war groß. Für Klæbo war das der erhoffte Gold-Coup im Schongang, denn zwei Rennen stehen noch an in Tesero: der Teamsprint am Mittwoch und die 50 Kilometer am Samstag. Favorit in beiden Fällen: Johannes Høsflot Klæbo. Sollte sein enorm ambitionierter Plan aufgehen, wären das also sechs Siege in sechs Langlauf-Wettbewerben bei Olympia. Mehr geht nicht. Dass er dazu in der Lage ist, weiß er schon: Bei der Heim-WM 2025 in Trondheim gewann Klæbo tatsächlich alle sechs Rennen. Das war nie jemandem gelungen. Auch bei Olympia hat es einen solchen Durchmarsch noch nicht gegeben. 15 Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und nun auch neun bei Olympischen Spielen hat Klæbo bereits beisammen. In Norwegen, dem Land der Langläufer, ist er ein Held und Idol. Klæbo ist das klassische Produkt norwegischer Sportbegeisterung. Mit zwei Jahren bekam er sein erstes Paar Skier zu Weihnachten. Als Junge spielte er mit Leidenschaft Fußball, und das so gut, dass der Gedanke an eine Profikarriere nicht fern schien. Außerdem ist er ein herausragender Radsportler. Letztlich entschied er sich aber für die Disziplin Langlauf. Sein Trainer war von Beginn an – und ist es bis heute – sein Großvater Kåre Høsflot. Der inzwischen 83-Jährige brachte Klæbo besondere technische Feinheiten bei, damit er zunächst vorhandene Größennachteile ausgleichen konnte. Inzwischen ist er 1,84 Meter groß, aber das Training wirkt immer noch. Bundestrainer Peter Schlickenrieder findet, dass die Art und Weise, wie sich Klæbo in den Loipen bewegt, einzigartig ist: "Klæbo ist ein Künstler auf Skiern, ausgestattet mit einem sensationellen Gespür für Schnee und einem ausgefeilten Blick für das Gelände." Seine gesellschaftliche Bedeutung in Norwegen sei zudem "extrem groß", er besitze dort einen Status, wie ihn in anderen Ländern nur Fußballer erreichten – "und für die Jugendlichen in Norwegen ist er dank seines Aussehens und seiner Eloquenz ein Kerl mit großem Star-Appeal, ein Teenie-Schwarm, der Justin Bieber des Langlaufs". Neben dem Großvater sind noch andere Familienmitglieder in das Erfolgsunternehmen Johannes Høsflot Klæbo eingebunden. Sein Vater Haakon ist sein Manager und Koch, Mutter Elisabeth verwaltet die Finanzen und Ola Høsflot Klæbo organisiert die Außendarstellung seines fünf Jahre älteren Bruders in den sozialen Medien und auf einem eigenen YouTube-Kanal. Sogar bei einem Dokumentarfilm führte er Co-Regie, der in Norwegen in den Kinos zu sehen war. Für Übersetzungen ins Englische ist wiederum seine Schwester Ane zuständig.