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21.01.2026
07:01 Uhr
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2022 wurde der japanische Ex-Regierungschef Abe erschossen. Der Täter handelte nach eigenen Angaben aus Hass gegen eine Sekte mit Verbindungen zu Abes Partei.

Mehr als drei Jahre nach dem tödlichen Attentat auf den ehemaligen japanischen Regierungschef Shinzo Abe hat ein Gericht den Täter für schuldig befunden und zu lebenslanger Haft verurteilt. Der 45-jährige Tetsuya Y. hatte sich bereits im vergangenen Oktober für schuldig bekannt . Das Bezirksgericht in Nara, wo sich das Attentat ereignet hatte, folgte mit dem Urteil den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Abe war zwischen 2012 und 2020 Regierungschef und zum Zeitpunkt seiner Ermordung ein einflussreicher Politiker in der regierenden Liberaldemokratischen Partei. Das Attentat auf ihn ereignete sich am 8. Juli 2022 während eines Wahlkampfauftritts in Nara. Y. wurde nach den Schüssen auf Abe vor laufenden Kameras überwältigt und festgenommen. Verbindungen zwischen Abes Partei und umstrittener Sekte Später sagte Y. laut Medienberichten aus, er habe Abe aus Hass auf die sogenannte Vereinigungskirche getötet. Er habe Abe als Ziel auserkoren, weil er in ihm eine Verbindungsfigur zwischen der Sekte und der japanischen Politik sah. Nach Abes Ermordung hatten Ermittlungen jahrzehntelange Verbindungen zwischen seiner Partei und der Sekte offengelegt, was zu Rücktritten von vier Ministern führte. Y. begründete seine Abneigung gegen die Sekte damit, dass hohe Spenden seiner Mutter an die Organisation die Familie in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hätten. Die Sekte wurde 1954 in Südkorea gegründet und erhielt in Japan in den Sechzigerjahren im Rahmen von antikommunistischen Maßnahmen den Status einer religiösen Organisation. Die Maßnahmen wurden vom damaligen Regierungschef, Abes Großvater Nobusuke Kishi, unterstützt. Die Enthüllungen nach dem Attentat auf Abe führten dazu, dass der steuerfreie Status der Sekte wieder aberkannt und ihre Auflösung angeordnet wurde. Das Attentat erschütterte Japan zusätzlich dadurch, dass Waffengewalt in dem Land wegen seiner strengen Gesetze zum Waffenbesitz äußerst selten ist. Eine Rolle in dem Prozess gegen Y. spielte auch, dass er für das Attentat auf Abe eine selbst gebaute Waffe benutzt haben soll. Sein Anwalt hatte im vergangenen Herbst angekündigt, den Vorwurf eines Verstoßes gegen Waffengesetze anfechten zu wollen. Zudem hatte die Verteidigung mildernde Umstände aufgrund von "religiösen Missbrauchs" und daher nur 20 Jahre Haft für Y. gefordert.