Zeit 01.01.2026
16:19 Uhr

Jahreswechsel: Zwei Tote in Bielefeld, fast 400 Festnahmen in Berlin


Die Berliner Polizei hat Hunderttausende Pyroartikel beschlagnahmt und viele Randalierende festgenommen. In Bielefeld starben zwei Männer durch selbst gebautes Feuerwerk.

Jahreswechsel: Zwei Tote in Bielefeld, fast 400 Festnahmen in Berlin
Zum Jahreswechsel ist es in Deutschland zu zahlreichen Angriffen auf Einsatzkräfte gekommen. Mindestens zwei Menschen starben zudem durch Pyrotechnik. In Berlin gab es Hunderte Festnahmen. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst waren landesweit im Großeinsatz. Die wichtigsten Ereignisse im Überblick: In Bielefeld sind zwei Menschen durch Feuerwerkskörper getötet worden. Die beiden 18-Jährigen hätten an unterschiedlichen Orten selbst gebaute Pyrotechnik gezündet, teilte die Polizei mit. Dabei seien die Männer tödlich im Gesicht verletzt worden. Bei Hausbränden in mehreren Orten im Schwarzwald starben drei Menschen. Die Feuer waren am Silvesterabend in den Orten Bonndorf und Lenzkirch sowie in Giengen an der Brenz ausgebrochen, wie das Landesinnenministerium der Nachrichtenagentur dpa mitteilte. Die Ursachen für die Brände sind derzeit noch ungeklärt. In der Gemeinde Reddelich in der Nähe von Rostock verlor ein 14-Jähriger durch einen explodierten Böller seine linke Hand. Der Junge kam in der Silvesternacht mit schweren Verletzungen in ein Krankenhaus, wie ein Polizeisprecher mitteilte. In Leipzig wurde ein 16 Jahre altes Mädchen beim Versuch, einen in Deutschland nicht zugelassenen Böller zu entzünden, schwer an der Hand verletzt. 430 Festnahmen in Berlin In Berlin nahm die Polizei 430 Menschen vorläufig fest. 14 Verdächtige inhaftierte sie, um weitere Taten zu verhindern, sieben führte sie zwecks Haftbefehl einem Richter vor. Bei den meisten Festnahmen sei es um Verstöße gegen Sprengstoffvorschriften gegangen, teilte die Polizei mit. Manche Menschen hätten Raketen waagerecht durch die Gegend geschossen und Böller auf andere geworfen, sagte ein Sprecher. 35 Polizisten seien verletzt worden, oft durch Knalltraumata von Böllern, die nahe am Kopf explodiert seien. Zwei von ihnen mussten in Krankenhäuser aufgenommen werden. Insgesamt wurde die Berliner Polizei in dieser Silvesternacht 2.340-mal alarmiert und leitete etwa 800-mal Ermittlungen ein. Sie war mit einem Großaufgebot von 4.300 Beamtinnen und Beamten im Einsatz, das sind 3.300 mehr als in normalen Nächten. Laut Innensenatorin Iris Spranger (SPD) arbeiteten zudem 1.600 Feuerwehrleute. Die Böllerei und das Geschehen auf den Straßen seien besonders in Schöneberg, Kreuzberg, Neukölln und Wedding ziemlich heftig gewesen, sagte die Polizei. Menschen hätten mit Feuerwerksraketen und Böllern auf Einsatzkräfte geschossen und geworfen. In Spandau habe eine Kugelbombe ein Schaufenster zerstört, nachdem ein abgeschossener Feuerwerkskörper ein nahes Pyrotechnikdepot entzündet habe. Insgesamt habe sich die Nacht positiver und weniger problematisch entwickelt als in den vergangenen Jahren. "Wir haben keine schweren Verletzungen bei Kollegen und auch nicht bei feiernden Menschen. Und wir haben auch nicht so schwere Vorkommnisse und Sachbeschädigungen wie im letzten Jahr", heißt es in einer vorläufigen Bilanz der Polizei. Polizei fand neue Kugelbomben Schon im Vorfeld hatte die Berliner Polizei versucht, illegale Böller und Pyrotechnik aufzuspüren und zu beschlagnahmen. Bis zum Silvesterabend wurden so 220.000 illegale, falsch gelagerte oder unzulässig verkaufte Feuerwerkskörper gefunden, sagte Innensenatorin Spranger. Ein großer Teil davon gehöre zur Kategorie F4, die nur von Experten mit Ausbildung und Genehmigung verwendet werden dürfe und für Amateure sehr gefährlich sei. Auch in der Nacht sei laut Polizei noch kiloweise illegale Pyrotechnik beschlagnahmt worden. Bei Durchsuchungen von Autos und einer Wohnung im Berliner Stadtgebiet stellte die Polizei nach eigenen Angaben auch Kugelbomben sicher. Vergangenes Jahr hatte es in der Silvesternacht Ausschreitungen und schwerwiegende Vorfälle mit Kugelbomben gegeben . Brand in Mehrfamilienhaus Auch in anderen Teilen Deutschlands befanden sich Polizei und Feuerwehr in Alarmbereitschaft. Die Feuerwehr musste in mehreren Bundesländern wegen Bränden ausrücken. Im hessischen Marburg wurde nach Polizeiangaben bereits am Nachmittag ein Mensch bei einem Brand in einem Mehrfamilienhaus leicht verletzt. Ermittler vermuten, dass Feuerwerkskörper den Brand ausgelöst haben könnten. In Leipzig kam es in der Silvesternacht zu Zwischenfällen und Bränden. Nicht nur im für Ausschreitungen bekannten Stadtteil Connewitz, sondern auch in der Leipziger Innenstadt gab es Feuer, berichteten Reporter der Nachrichtenagentur dpa. Mülleimer brannten. Auch in Hamburg waren die Polizei und Feuerwehr mit einem Großaufgebot im Einsatz. Zehn Polizeibeamte wurden nach Angaben der Hamburger Polizei verletzt. Ein Toter in Rom durch Böllerexplosion Um ein mögliches Böllerverbot in Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen, nachdem es in den vergangenen Jahren zu Böllerangriffen auf Polizisten und Rettungskräfte gekommen war. Regelmäßig werden Menschen durch Pyrotechnik verletzt oder getötet. In den Niederlanden, wo ab dem neuen Jahr ein Böllerverbot gilt, ist die Nacht mit erlaubten Feuerwerkskörpern eskaliert. In etlichen Städten musste die Polizei dort wegen Gewalt und Unglücken mit Pyrotechnik ausrücken. In der italienischen Hauptstadt Rom kam indes trotz eines Böllerverbots in der Silvesternacht ein Mann bei der Explosion eines Feuerwerkskörpers ums Leben, den er offenbar selbst gezündet hatte. In Rom gilt vom letzten Tag des Jahres bis zum 7. Januar ein Verbot für Feuerwerk und Silvesterböller.