Zeit 11.02.2026
20:10 Uhr

Jack Lang: Er nahm sich, was er wollte


Die Freundschaft zu Epstein ermöglichte Frankreichs Ex-Kulturminister Jack Lang ein Leben in Luxus. Der Skandal zeigt, wie verdorben die Elite des Landes ist.

Jack Lang: Er nahm sich, was er wollte
Die Enthüllungen über Jack Lang werden täglich grotesker: Der frühere Pariser Kulturminister und Museumsdirektor war nicht nur ein Freund des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein. Er profitierte auch enorm von dessen Nähe. Aus den Epstein-Akten geht hervor, dass Lang sich von ihm Autos mit Chauffeur, einen Privatjet und Geld für eine schmeichelhafte Filmreportage über sich selbst organisieren ließ. Beide Männer führten zudem ein gemeinsames Konto in einem Steuerparadies. Epstein empfing Lang in seiner 800 Quadratmeter großen Wohnung im luxuriösen 16. Arrondissement nahe der Champs-Élysées. Am Wochenende trat Lang schließlich als Leiter des renommierten Instituts der arabischen Kultur (IMA) zurück, das in einem imposanten Bau im Herzen von Paris seinen Sitz hat. Lang wird bislang keineswegs vorgeworfen, an Epsteins Missbrauch Hunderter Mädchen und Frauen beteiligt gewesen zu sein. Der Sozialist behauptet, er habe Epstein zwar als "charmant" wahrgenommen, aber nichts von dessen früherer Verurteilung gewusst. Und das, obwohl viele französische Zeitungen über den Fall berichteten. Er zahlte nie einen Cent Kurz nach Langs Rücktritt melden sich nun Weggefährten zu Wort, die sein Verhältnis zu Geld schildern. Und diese Berichte sind ebenso skurril wie aufschlussreich. Beim Filmfestival in Cannes, so berichtet dessen früherer Präsident Pierre Lescure, hinterließ Lang hohe Schulden. Das Festival zahlte für zwei Nächte und zwei Frühstücke, doch das Ehepaar Lang blieb viele Tage länger, speiste luxuriös mit Freunden und zahlte nie einen Cent. "Am Ende wollte sie kein Hotel in Cannes mehr aufnehmen", sagt Lescure. Ähnliches berichtet Le Monde über ein Pariser Restaurant, dem Lang "zehn Jahre Mittagessen" schulden soll. Auch wenn Lang angesichts der Aufregung um die Epstein-Files derzeit im Fokus steht, wirft er damit ein Schlaglicht auf die Elite Frankreichs. Skandale, stets gepaart mit Luxus, trafen vor ihm schon viele Amtsträger. So etwa den grünen Umweltminister François de Rugy, der auf Staatskosten mit seiner Frau prunkvolle Dinner in Parlamentsräumen veranstaltete – mit Einladungskarten auf edlem Papier, Kristallgläsern, Silberplatten voller Langusten, goldenen Löffeln und üppigen Blumensträußen. De Rugy verteidigte die Feste als dienstlich notwendig. Bis er zurücktrat. Oder den früheren französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, gerade erst für seinen Berufungsprozess aus dem Gefängnis entlassen. Er erntete Kritik, weil er am Abend seines Wahlsiegs 2007 in einem Pariser Luxusrestaurant diniert hatte und seine ersten Ferien als Präsident auf der Superjacht des rechtspopulistischen Milliardärs Vincent Bolloré verbrachte, die üblicherweise für 200 000 Euro in der Woche vermietet wird. Er habe sich für nichts zu entschuldigen oder zu verstecken, sagte Sarkozy damals. Sein konservativer Parteikollege und Präsidentschaftskandidat François Fillon bekam während seiner Wahlkampagne maßgeschneiderte Anzüge und goldene Uhren von Geschäftsleuten geschenkt.