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19.11.2025
21:00 Uhr
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Italiens oberstes Gericht erlaubt die Auslieferung des Ukrainers, der im Fall der Nord-Stream-Anschläge verdächtigt wird. Er soll die Anschläge koordiniert haben.

Das höchste italienische Gericht erlaubt die Auslieferung des mutmaßlichen Drahtziehers der Anschläge auf die Nord-Stream-Gasleitungen in der Ostsee. Der Kassationshof in Rom entschied, dass der Ukrainer an die deutschen Behörden übergeben werden darf. Dies teilte der Anwalt des Beschuldigten mit. Der 49 Jahre alte Serhij K. wird nun wahrscheinlich bereits in den nächsten Tagen der deutschen Polizei überstellt und dann nach Deutschland geflogen. Vermutlich kommt er in Hamburg vor Gericht. Der Kassationshof wird seine Entscheidung erst später schriftlich begründen. Der italienische Anwalt des Ukrainers, Nicola Canestrini, sagte zu der Auslieferung: "So groß die Enttäuschung auch ist: Ich vertraue auf einen Freispruch in Deutschland." K. soll Drahtzieher des Angriffs sein K. wird vorgeworfen, einer der Drahtzieher hinter der Attacke auf die Nord-Stream-Gaspipeline vor drei Jahren gewesen zu sein. Serhij K. wurde bei einem Familienurlaub im August im italienischen Rimini festgenommen . Deutsche Ermittler hatten seine Reisebewegungen beobachtet und einen internationalen Haftbefehl beantragt. Die Bundesanwaltschaft hat wegen gemeinschaftlichen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion an den Pipelines sowie verfassungsfeindlicher Sabotage ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet. K. bestreitet die Vorwürfe bis heute. Zwischenzeitlich war er wegen vermeintlich schlechter Behandlung im Hungerstreik . Im September hatte ein Gericht in Bologna die Auslieferung bereits veranlasst, doch das oberste Gericht Italiens stoppte den Vorgang zunächst, nachdem der Anwalt von K. Einspruch erhoben hatte. Nach Überzeugung der deutschen Ermittler soll K. ein Team von insgesamt sieben Verdächtigen geleitet haben, darunter vier Taucher. Für die Anschläge sollen sie in Deutschland eine Segeljacht namens Andromeda angemietet haben, mit der sie dann hinaus auf die Ostsee gefahren sein sollen. Ein weiterer Verdächtiger, ebenfalls ein Ukrainer, saß ebenfalls zeitweise in Polen in Untersuchungshaft. Dort lehnte die Justiz eine Auslieferung an Deutschland ab. Inzwischen ist der Mann wieder frei. K. soll für den Geheimdienst gearbeitet haben Bei dem Anschlag auf die Nord-Stream-Leitungen waren die Pipelines so stark beschädigt worden, dass kein Gas mehr durch sie fließen konnte. Die Explosionen wurden in der Nähe der dänischen Insel Bornholm registriert und sorgten weltweit für Aufsehen. K. soll Verbindungen zu staatlichen ukrainischen Stellen haben. Nach Informationen des Spiegel soll er bis vor etwa zehn Jahren für den ukrainischen Geheimdienst SBU gearbeitet haben. Laut Unternehmensdaten, die die ZEIT einsehen konnte, ist er zudem bis heute in einem Verband von Sicherheitsdienst-Reservisten aktiv.