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07.03.2026
09:36 Uhr
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SPD-Chef Lars Klingbeil zweifelt daran, dass die Angriffe auf den Iran das Ende des Regimes bedeuten. Vor dem Krieg hätten USA und Israel stärker verhandeln müssen.

Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil hat den USA und Israel vorgeworfen, vor den Luftangriffen auf den Iran nicht alle diplomatischen Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben. "Die Frage ist doch, ob tatsächlich alle Möglichkeiten, die das Völkerrecht bietet, vorher ausgeschöpft wurden, um die Atompläne Irans zu stoppen", sagte Klingbeil dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) . "Ich denke, man hätte auf der Grundlage des Völkerrechts mehr Schritte gehen müssen." Er weine den führenden Vertretern des iranischen Regimes, die durch die Angriffe getötet wurden, " keine Träne nach ", sagte Klingbeil weiter. "Dieses Regime ist ein Terrorregime, das Israel und die ganze Region bedroht, die eigene Bevölkerung unterdrückt und Zehntausende ermordet hat." Die entscheidende Frage sei jedoch, ob die Bedrohungen durch Luftangriffe dauerhaft beseitigt werden könnten. "Ich habe da Zweifel. Deshalb finde ich, man hätte vorher stärker auf Verhandlungen setzen müssen." Skeptisch äußerte sich der SPD-Chef auch zu den Aussichten auf einen Sturz des Regimes. Nur weil führende Personen ausgeschaltet worden seien, sei das Regime "noch lange nicht am Ende". Für viele getötete Führungspersonen stünden offenbar Nachfolger bereit. "Ich fürchte, dieses Regime ist ziemlich gefestigt", sagte Klingbeil. Sorge um iranische Zivilbevölkerung Wenn der Krieg tatsächlich dazu führen würde, dass die iranische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden kann, wäre die Lage eine andere. "Doch danach sieht es aktuell überhaupt nicht aus." Vielmehr habe er die Sorge, dass sich für die Bevölkerung im Iran wenig verbessern werde. Vertreter der USA und Irans hatten vor Beginn des Angriffskriegs in Genf über das iranische Atomprogramm verhandelt. Tatsächlich waren die Angriffe nach israelischer Auskunft monatelang vorbereitet worden, das Datum habe seit Wochen festgestanden. Auch im Vorfeld des Zwölftagekriegs im Juni des vergangenen Jahres hatte Israel iranische Ziele angegriffen, obwohl US-Unterhändler zu dem Zeitpunkt noch mit iranischen Vertretern über das Atomprogramm verhandelten. Die schwarz-rote Bundesregierung vermied es bisher, sich zur Legalität der Angriffe zu positionieren. Bundeskanzler Merz verwies in der vergangenen Woche lediglich auf ein "Dilemma", dass in den vergangenen Jahrzehnten mit völkerrechtlichen Schritten nichts gegen die Führung in Iran erreicht worden sei. Es sei deshalb nicht der Zeitpunkt, "unsere Partner und Verbündeten zu belehren". Die UN-Charta verbietet die Anwendung von Gewalt gegen andere Staaten grundsätzlich; das Recht auf Selbstverteidigung greift nur, wenn ein feindlicher Angriff unmittelbar bevorstand. Alle Entwicklungen zum Krieg in Iran lesen Sie in unserem Liveblog .