Zeit 10.01.2026
09:07 Uhr

Iran: Iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi warnt vor Massaker


Im Iran wurden laut Ebadi Hunderte Protestierende mit Augenverletzungen in Kliniken eingeliefert. Sie warnte angesichts der Kommunikationssperre vor einem Massaker.

Iran: Iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi warnt vor Massaker
Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi hat vor einem "Massaker im Schutz einer umfassenden Kommunikationssperre" gewarnt. Hinter der Maßnahme stehe "eine Taktik" zur Niederschlagung der jüngsten Proteste durch die Einsatzkräfte, schrieb Ebadi auf Telegram. Ihren Informationen zufolge seien am Donnerstag Hunderte Menschen mit "schweren Augenverletzungen" in Krankenhäuser eingeliefert worden. Ein ähnliches Vorgehen hatten Menschen auch bei den großen Protesten 2023 nach dem Tod von Mahsa Amini geschildert. Einsatzkräfte zielten nach Angaben von Aktivisten absichtlich auf die Augen, um Erblindungen auszulösen. Im Iran hat es am Freitagabend erneut Proteste gegeben. Trotz des harten Vorgehens der iranischen Einsatzkräfte und einer Internetblockade versammelte sich wieder eine große Menschenmenge in der Hauptstadt Teheran, wie von der Nachrichtenagentur AFP verifizierte Videos zeigten. Die Demonstrierenden im Stadtteil Sadatabad schlugen auf Töpfe und riefen Sprechchöre wie "Tod Chamenei", die sich gegen das geistliche Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei richten. Auch in anderen Stadtteilen Teherans gab es Proteste, wie auf weiteren Aufnahmen in Onlinenetzwerken zu sehen war. Persischsprachige Exilsender zeigten auch Bilder neuer Proteste in anderen iranischen Städten, darunter Maschhad im Osten des Landes, Täbris im Norden und Ghom südlich von Teheran. Mehr als 60 Demonstranten getötet Die Proteste im Iran waren vor zwei Wochen durch die Wirtschaftskrise und den Absturz der Landeswährung ausgelöst worden. Inzwischen haben sie sich von ländlichen Regionen auf die größten Städte des Landes ausgeweitet. In der Nacht zum Freitag kam es zu den größten Demonstrationen seit Beginn der Proteste vor zwei Wochen, bei denen die Menschen etwa in der Hauptstadt Teheran gegen die religiöse und politische Führung protestierten. Menschenrechtler nehmen an, dass seit Beginn der Proteste mehr als 60 Demonstranten getötet worden sind. Deutschland, Frankreich und Großbritannien appellieren an den Iran Auf den Straßen Teherans ist die Lage nach Berichten von Studierenden derzeit angespannt. Auf einer Hauptverkehrsstraße seien alle zehn Meter Spezialeinheiten der Einsatzkräfte mit Kalaschnikow-Sturmgewehren postiert, hieß es im studentischen Newsletter Amirkabir . Vor dem Hintergrund der Massendemonstrationen riefen Deutschland, Frankreich und Großbritannien die iranische Staatsführung indessen dazu auf, auf Gewalt zu verzichten. "Wir sind zutiefst besorgt über Berichte von Gewalt durch iranische Einsatzkräfte und verurteilen die Tötung von Demonstranten auf das Schärfste", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung von Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer. Die drei Regierungschefs forderten das iranische Regime auf, "die Grundrechte der iranischen Bürgerinnen und Bürger zu wahren". Das Regime und die iranischen Behörden seien verantwortlich für den Schutz der eigenen Bevölkerung, sie müssten Meinungsfreiheit und friedliche Versammlungen zulassen. Trump droht mit Konsequenzen Der im US-Exil lebende Sohn des 1979 gestürzten Schahs, Reza Pahlavi, forderte unterdessen US-Präsident Donald Trump auf, die Demonstranten zu unterstützen. "Bitte seien Sie bereit, einzugreifen und dem iranischen Volk zu helfen", sagte Pahlavi an Trump gerichtet. Er wisse, dass der Präsident ein Mann des Friedens sei und zu seinem Wort stehe. In einem Interview mit dem Talkshow-Moderator Hugh Hewitt sagte Trump, dem Iran sei sehr deutlich gemacht worden, dass er mit schweren Konsequenzen rechnen müsse, wenn er gewaltsam gegen friedliche Demonstranten vorgehe.