|
12.01.2026
03:23 Uhr
|
Die Zahl der Toten bei den Protesten im Iran ist deutlich gestiegen. Ein Video soll Aufnahmen von Leichen zeigen. Aus der EU kommen Forderungen nach mehr Sanktionen.

Bei den anhaltenden Protesten im Iran hat es nach Angaben von Menschenrechtlern deutlich mehr Tote gegeben als angenommen. Nach Angaben der in den USA ansässigen Organisation Hrana wurden bislang mindestens 538 Menschen getötet. Zuvor war von 203 Toten die Rede gewesen. Unter den Toten seien 490 Demonstrierende und 48 Sicherheitskräfte. Zudem habe es mehr als 10.600 Festnahmen im Zusammenhang mit den Protesten gegeben. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben derzeit nicht. Bei früheren Protesten hat Hrana jedoch verlässliche und akkurate Daten geliefert. Die tatsächliche Zahl der Opfer könnte jedoch noch höher liegen. Einige Quellen sprechen sogar von mehr als 2.000 Toten. Aktivisten beschuldigen Sicherheitskräfte im Iran eines "Massakers" an Demonstranten. Derweil sorgen Videoaufnahmen für Aufsehen, die zahlreiche Leichen vor einer Leichenhalle südlich von Teheran zeigen sollen. Die Nachrichtenagentur AFP und die in Norwegen ansässige Menschenrechtsgruppe Hengaw haben das Video nach eigenen Angaben verifiziert. Das Video sei Beleg für ein "schweres Verbrechen von beträchtlichem Ausmaß", teilte Hengaw mit. Schah-Sohn ruft zum Sturz des Regimes auf Reza Pahlavi, der in den USA lebende Sohn des letzten Schahs von Iran, rief über die Plattform X eine "neue Phase des nationalen Aufstands" aus. Ziel sei es, die Islamische Republik zu stürzen. Die Protestbewegung im Land solle nicht nur zentrale Straßen und Plätze besetzen, sondern auch staatliche Institutionen ins Visier nehmen – insbesondere jene, die für Propaganda und die Einschränkung des Internets verantwortlich seien. Diese bezeichnete er als "legitime Ziele". In einem Interview mit dem US-Nachrichtensender Fox News erklärte Pahlavi zudem, er sei bereit, "bei der ersten Gelegenheit" in den Iran zurückzukehren, um den politischen Übergangsprozess persönlich anzuführen. UN-Generalsekretär schockiert über Gewalt gegen Demonstrierende UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Gewalt gegen die Demonstrierenden im Iran. Er sei "schockiert angesichts der Berichte über Gewalt und übermäßige Gewaltanwendung durch die iranischen Behörden ", teilte sein Sprecher Stéphane Dujarric mit. Guterres forderte die iranischen Sicherheitskräfte auf, "größtmögliche Zurückhaltung zu üben". Zudem rief er die Regierung in Teheran dazu auf, das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie die Versammlungsfreiheit uneingeschränkt zu achten und zu schützen. Die seit vier Tagen andauernde Internetsperre müsse umgehend aufgehoben werden, verlangte Guterres weiter. EU-Außenbeauftragte spricht sich für weitere Sanktionen aus Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas stellte mögliche neue Sanktionen gegen den Iran in Aussicht. "Ich bin bereit, zusätzliche Sanktionen als Antwort auf die brutale Unterdrückung von Demonstranten vorzuschlagen", sagte sie der Zeitung Die Welt . Die EU habe bereits weitreichende Sanktionen gegen den Iran verhängt – gegen Verantwortliche für Menschenrechtsverletzungen, für die Ausweitung des Atomprogramms und für Irans Unterstützung des russischen Angriffskriegs in der Ukraine. Kallas betonte, dass viele Menschen im Iran alles riskierten, um gehört zu werden. Das Regime habe eine lange Geschichte darin, Proteste gewaltsam zu unterdrücken. "Wir sehen eine brutale Reaktion der Sicherheitskräfte", sagte die EU-Außenbeauftragte. Wadephul fordert entschlossenes Handeln der EU Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hat den Westen zur Geschlossenheit bei den Protesten im Iran aufgefordert. Die jetzigen Proteste seien eine Folge von Sanktionen, sagte er im ZDF. "Das heißt: Sanktionen wirken, und auf diesem Weg sollten wir weiter vorangehen." Die Bundesregierung sei für die weitere Listung der iranischen Revolutionsgarden als Terrororganisation, fügte er hinzu. "Was hier geschieht an Unterdrückung des Volkes, an Misshandlung von Menschen, ist inakzeptabel", sagte Wadephul mit Blick auf die Proteste. In dieser Frage sei man mit den USA "vollkommen auf einer Seite". Über aktuelle Entwicklungen informieren wir auch im Liveblog .