Zeit 26.02.2026
12:33 Uhr

Integrationskurse in Deutschland: "Der Kurs stimuliert uns, am Leben teilzunehmen"


Viele Geflüchtete aus der Ukraine sollen in Deutschland keine kostenlosen Integrationskurse mehr bekommen. Hier erzählt eine von ihnen, was das für sie bedeutet.

Integrationskurse in Deutschland:
Das Bundesinnenministerium hat den Zugang zu Integrationskursen eingeschränkt – künftig erhalten sie etliche Asylsuchende, Menschen aus dem EU-Ausland und Geflüchtete aus der Ukraine nicht mehr kostenlos. Auch bei Sprachkursen soll gespart werden. Die Entscheidung sei "politisch, menschlich und wirtschaftlich nicht nachvollziehbar", kritisierte Hamburgs Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) in einer gemeinsamen Stellungnahme mit ihren Parteifreundinnen und Amtskolleginnen, der Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard und der Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer. Was aber sagen die Menschen, die es betrifft? Nataliia Makarchuk (der Name wurde zu ihrem Schutz geändert) ist 30 Jahre alt, sie kam im Sommer 2023 aus Lwiw nach Deutschland und steht kurz vor dem Abschluss ihres Integrationskurses in Hamburg. DIE ZEIT: Frau Makarchuk , Sie besuchen einen Integrationskurs. Was bringt Ihnen das? Nataliia Makarchuk: Ich konnte meinen Integrationskurs erst zwei Jahre nach meiner Ankunft in Deutschland beginnen, weil es nicht genug Plätze gab. Ohne Sprache fühlt man sich in einem fremden Land, als wäre man blind und stumm. Für mich war es sehr anstrengend, mich nicht mitteilen zu können. Im Kindergarten meines Sohnes konnte ich nicht mit den Erzieherinnen sprechen, beim Arzt nicht erklären, was mir fehlt. Anfangs habe ich mir selbst Deutsch beigebracht, aber mit dem Integrationskurs geht das schneller und besser. ZEIT: Was genau stand in Ihrem Integrationskurs auf dem Programm? Makarchuk: Es ist vor allem ein Sprachkurs, aber nicht nur. Wir lernen Grammatik und neue Wörter, und üben Alltagssituationen. Das Ziel ist es, am Ende die B1-Prüfung abzuschließen. Aber es geht auch darum, das Leben in Deutschland zu verstehen: Wie funktioniert das politische System? Welche Rechte und Pflichten habe ich? Wie schreibt man eine Bewerbung? Für mich ist das wichtig, weil vieles anders ist als in der Ukraine, das politische System ist sehr komplex. Der Kurs ist wie eine Miniaturgesellschaft: Menschen aus ganz verschiedenen Ländern lernen zusammen, sprechen über Werte, Unterschiede und Gemeinsamkeiten. ZEIT: In Zukunft sollen Menschen aus der Ukraine, die neu nach Deutschland kommen, keine kostenlosen Integrationskurse mehr besuchen dürfen. Wie haben Sie auf diese Nachricht reagiert? Makarchuk: Wenn ich von den Kürzungen höre, bin ich besorgt. Sprache ist die Basis für alles. Ohne Integrationskurs bleiben viele Menschen isoliert. Der Integrationskurs stimuliert uns, rauszugehen, Deutsch zu sprechen und am Leben teilzunehmen. Integration passiert nur durch Begegnung, bei der Arbeit, beim Einkaufen, beim Arzt oder einfach im Gespräch mit unseren Nachbarn. Wenn man sich in der deutschen Gesellschaft wohlfühlt und sich als ein Teil davon sieht, findet man schneller einen Job und kann etwas zurückgeben. Ich bin sehr dankbar, diese Unterstützung bekommen zu haben. ZEIT: Die betroffenen Gruppen können weiterhin an den Kursen teilnehmen, wenn sie diese selbst bezahlen. Die Kosten dafür betragen an der Hamburger Volkshochschule 458 Euro pro Modul; es gibt sieben Module, jedes dauert 6 Wochen. Es wären also rund 3.000 Euro für einen Integrationskurs. Für wie realistisch halten Sie, dass die betroffenen Menschen das machen? Makarchuk: Nicht alle Menschen haben diese Möglichkeit. Vor allem aus der Ukraine sind viele Mütter mit ihren Kindern gekommen, wie ich. Wissen Sie, ich bin Buchhalterin. Um wieder in meinem Bereich arbeiten zu können, brauche ich mindestens das Sprachniveau B2. Im Moment fokussiere ich mich auf die B1-Prüfung. Danach möchte ich weitermachen. Aber einen Kurs selbst zu bezahlen, wäre für mich zu teuer. ZEIT: Wie wirkt sich das auf Ihre Zukunft aus? Makarchuk: Die Sicherheit meines Sohns ist für mich das Wichtigste. Wenn ich die Möglichkeit habe, hier komplett anzukommen, würde ich gerne bleiben. Aber das hängt von meinen beruflichen Möglichkeiten ab – und davon, wie ich die Sprache lernen kann. ZEIT: Haben Sie ein Lieblingswort auf Deutsch? Makarchuk: Ja, "Sonnenaufgang". Das ist ein sehr schöner Prozess. Ich bin einfach dankbar, dass ich den Sonnenaufgang jeden Morgen sehen kann.