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19.01.2026
17:02 Uhr
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Fehnmarnbeltquerung oder Brennerbasistunnel: Viele Verkehrsprojekte der EU sind im Rückstand. Der Rechnungshof mahnt, dass die gesteckten Ziele nicht erreichbar sind.

Der Ausbau zahlreicher großer Infrastrukturprojekte der Europäischen Union ist mehrere Jahre im Verzug. Die EU werde ihr selbst gestecktes Ziel für bessere Anbindungen über Grenzen hinweg bis 2030 deshalb nicht erreichen, teilte der EU-Rechnungshof in Luxemburg mit. Zudem würden die Kosten bei mehreren Bauvorhaben deutlich höher ausfallen als ursprünglich veranschlagt. Konkret geht es etwa um Großprojekte wie die Fehmarnbeltquerung, den Brennerbasistunnel oder die Bahnstrecke von Lyon nach Turin. "Drei Jahrzehnte, nachdem viele dieser Projekte geplant wurden, sind wir noch immer weit davon entfernt, sie in Betrieb zu nehmen und dadurch den Personen‑ und Güterverkehr in Europa spürbar zu verbessern", sagte Rechnungsprüferin Annemie Turtelboom. Pandemie und Ukrainekrieg Neben der Coronapandemie und geopolitischen Folgen des russischen Angriffskriegs seien auch langwierige Genehmigungen und technische Probleme für die Verzögerungen verantwortlich, teilten die Prüfer mit. "Die Ergebnisse bleiben weit hinter den ursprünglichen Erwartungen zurück." Bei der Fehmarnbeltquerung zwischen Deutschland und Dänemark sollen mit dem Auto- und Eisenbahntunnel Puttgarden auf der Insel Fehmarn und Rødby auf der dänischen Insel Lolland verbunden werden. Die Fehmarnbeltquerung wird seit 2021 gebaut und sollte ursprünglich 2029 in Betrieb gehen. Doch an diesem Zeitplan zweifeln beide Länder inzwischen. Auch der Brennerbasistunnel zwischen Österreich und Italien wird frühestens 2032 öffnen. Die neue Bahnstrecke Lyon–Turin durch die Alpen soll laut Rechnungshof erst 2033 und damit 18 Jahre später als geplant fertig werden – bei mehr als verdoppelten Kosten. Weitere große Projekte bleiben ebenfalls weit zurück: Die Bahnverbindung zwischen Spanien und Frankreich und ein Kanal zwischen der nordfranzösischen Seine und Belgien liegen mehr als 20 Jahre hinter Plan. Auch das Großprojekt Rail Baltica, das Tallinn mit Warschau verbinden soll, ist noch lange nicht abgeschlossen.