Zeit 27.11.2025
17:38 Uhr

Hongkong: Zahl der Toten nach Brand in Hongkonger Wohnanlage steigt auf 75


Bei Hongkongs tödlichstem Brand seit Jahrzehnten haben sich Flammen über Bambusgerüste auf mehrere Hochhäuser ausgebreitet. Die Polizei meldet drei Festnahmen.

Hongkong: Zahl der Toten nach Brand in Hongkonger Wohnanlage steigt auf 75
Die Zahl der Toten durch den Großbrand in einer Wohnanlage in Hongkong ist auf 75 gestiegen. Nach Angaben der Feuerwehr wurden zudem mindestens 70 weitere Menschen verletzt – darunter elf Feuerwehrleute. Nach Behördenangaben suchen die Einsatzkräfte noch nach mehr als 250 Vermissten. In der Nacht zuvor hatte der Hongkonger Regierungschef John Lee mitgeteilt, dass der Kontakt zu 279 Personen abgebrochen sei. Bei dem Vorfall handelt es sich um den tödlichsten Brand in Hongkong seit drei Jahrzehnten. Das Feuer im nördlichen Stadtteil Tai Po hatte sich über Baugerüste aus Bambus ausgebreitet und griff rasch auf mehrere Hochhäuser über. Der Wind und herumfliegende Teile hatten das Feuer angefacht. Die Behörden machten die zuständige Baufirma für den Vorfall verantwortlich. "Wir haben Grund zu der Annahme, dass die Verantwortlichen des Unternehmens grobe Fahrlässigkeit begangen haben, die zu diesem Unfall führte und das Feuer unkontrolliert ausbreiten ließ", sagte Eileen Chung, Superintendentin der Polizei. Drei Männer der Baufirma seien wegen des Verdachts auf Totschlag festgenommen worden. Medienberichten zufolge durchsuchten Beamte auch Büroräume des Unternehmens. Sieben Wohngebäude vom Brand betroffen Die betroffene Wohnanlage umfasst acht Wohnhäuser mit je 32 Stockwerken. Nach Angaben der Feuerwehr standen sieben der acht Gebäude des Wohnkomplexes mit insgesamt rund 2.000 Wohnungen in Flammen. Die Löscharbeiten dauern derweil an. Wie die Behörden mitteilten, waren in vier der Hochhäuser die Flammen mit Stand Donnerstagnachmittag (Ortszeit) gelöscht, in den drei anderen Gebäuden waren sie unter Kontrolle. Mehrere Bewohner des Gebäudekomplexes sagten der Nachrichtenagentur AFP, sie hätten keinen Feueralarm gehört. Stattdessen hätten sie von Tür zu Tür gehen müssen, um Nachbarn zu warnen. Wie die South China Morning Post berichtete, waren zwischenzeitlich mehr als 800 Feuerwehrleute und Sanitäter mit über 140 Fahrzeugen im Einsatz. Rund 900 Menschen kamen in die von der Stadt eingerichteten Notunterkünfte. Behörden leiten Ermittlungen ein Unter den Toten war laut der Feuerwehr auch ein Feuerwehrmann, der beim Löscheinsatz zeitweise den Kontakt zu seinen Kollegen verloren hatte und später mit Brandverletzungen gefunden wurde. Die Gebäude waren alle für Renovierungsarbeiten mit einem Baugerüst aus Bambus eingefasst. Der Komplex Wang Fuk Court war 1983 im Rahmen eines staatlich subventionierten Wohnungsbauprogramms errichtet worden. Er liegt in einem Vorort mit rund 300.000 Einwohnern nahe der Grenze zum chinesischen Festland. Die Behörden hatten das Feuer bereits am Nachmittag (Ortszeit) in die höchste Alarmstufe fünf eingeordnet. Sie leiteten eine Untersuchung ein, in der insbesondere die Sicherheitsstandards des Bambusbaugerüsts und der daran befestigten grünen Netze überprüft werden sollen. Die Regierung hatte im März aus Sicherheitsgründen damit begonnen, den Einsatz von Bambusgerüsten schrittweise zu reduzieren. Stattdessen muss die Hälfte der Gerüste aus Metall bestehen. Auch Hongkongs Antikorruptionsbehörde nahm die Ermittlungen auf, "um mögliche Korruption im Zusammenhang mit dem Großprojekt zur Renovierung der Wohnanlage Wang Fuk Court" zu untersuchen. "Die Regierung hat unverzüglich Inspektionen aller Wohnsiedlungen in der Stadt angeordnet, in denen größere Reparaturarbeiten durchgeführt werden, um die Sicherheit von Gerüsten und Baumaterialien zu überprüfen", sagte John Lee, Regierungschef der chinesischen Sonderverwaltungszone. In Hongkong stehen einige der höchsten Wohnblöcke der Welt, die Stadt ist sehr dicht besiedelt, Wohnraum extrem teuer . Früher gehörten tödliche Feuer zum Alltag, vor allem in ärmeren Stadtvierteln. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, sodass Brände in Wohngebieten heute seltener vorkommen. Hongkongs bislang größtes Feuer der vergangenen Jahrzehnte ereignete sich im November 1996 in einem Geschäftsgebäude im Bezirk Kowloon. Dabei starben 41 Menschen. Der Brand wurde damals durch Schweißarbeiten bei Renovierungsarbeiten ausgelöst.