Zeit 27.11.2025
07:51 Uhr

Hongkong: Zahl der Toten nach Brand in Hongkonger Wohnanlage steigt auf 44


Bei Hongkongs tödlichstem Brand seit Jahrzehnten haben sich Flammen über Bambusgerüste auf mehrere Hochhäuser ausgebreitet. Die Polizei meldet drei Festnahmen.

Hongkong: Zahl der Toten nach Brand in Hongkonger Wohnanlage steigt auf 44
Die Zahl der Toten durch den Großbrand in einer Wohnanlage in Hongkong ist auf mindestens 44 gestiegen. 45 Personen würden im Krankenhaus behandelt. Nach Behördenangaben suchen die Einsatzkräfte noch nach fast 280 Vermissten. Unter den Toten war auch ein 37-jähriger Feuerwehrmann, der am Einsatzort bewusstlos gefunden wurde und im Krankenhaus starb. Bei dem Vorfall handelt es sich um den tödlichsten Brand in Hongkong seit drei Jahrzehnten. Das Feuer im nördlichen Stadtteil Tai Po hatte sich aus noch ungeklärter Ursache über Baugerüste aus Bambus ausgebreitet und griff rasch auf mehrere Hochhäuser über. Der Wind und herumfliegende Teile hatten das Feuer angefacht. Die Behörden machten die zuständige Baufirma für den Vorfall verantwortlich: "Wir haben Grund zu der Annahme, dass die Verantwortlichen des Unternehmens grobe Fahrlässigkeit begangen haben, die zu diesem Unfall führte und das Feuer unkontrolliert ausbreiten ließ", sagte Eileen Chung, Superintendentin der Polizei. Drei Männer der Baufirma seien wegen des Verdachts auf Totschlag im Zusammenhang mit dem Brand festgenommen worden, fügte sie hinzu. Medienberichten zufolge durchsuchten Beamte auch Büroräume des Unternehmens. Die Löscharbeiten dauerten in der Nacht an. In vier der betroffenen Hochhäuser war das Feuer am Donnerstagmorgen unter Kontrolle. Wie die South China Morning Post berichtete, waren mehr als 800 Feuerwehrleute und Sanitäter mit über 140 Fahrzeugen im Einsatz. Rund 900 Menschen kamen in die von der Stadt eingerichteten Notunterkünfte. Insgesamt fast 2.000 Wohnungen in der Anlage Mindestens fünf von insgesamt acht Gebäuden des Wohnkomplexes Wang Fuk Court mit insgesamt rund 2.000 Wohnungen standen in Flammen. Unter den Toten war nach Angaben der Feuerwehr auch ein Feuerwehrmann, der beim Löscheinsatz zeitweise den Kontakt zu seinen Kollegen verloren hatte und später mit Brandverletzungen gefunden wurde. Die Behörden hatten das Feuer bereits am Nachmittag (Ortszeit) in die höchste Alarmstufe fünf eingeordnet. Sie leiteten eine Untersuchung ein, in der insbesondere die Sicherheitsstandards des Bambusbaugerüsts und der daran befestigten grünen Netze überprüft werden soll. Die Regierung hatte im März aus Sicherheitsgründen damit begonnen, den Einsatz von Bambusgerüsten schrittweise zu reduzieren. Stattdessen muss die Hälfte der Gerüste aus Metall bestehen. Die Anlage umfasst acht Wohnhäuser mit je 32 Stockwerken. Die Gebäude waren demnach alle für Renovierungsarbeiten mit dem Baugerüst eingefasst. Der Komplex Wang Fuk Court war 1983 im Rahmen eines staatlich subventionierten Wohnungsbauprogramms errichtet worden. Er liegt in einem Vorort mit rund 300.000 Einwohnern nahe der Grenze zum chinesischen Festland. In Hongkong stehen einige der höchsten Wohnblöcke der Welt, die Stadt ist sehr dicht besiedelt, Wohnraum extrem teuer . Früher gehörten tödliche Feuer zum Alltag, vor allem in ärmeren Stadtvierteln. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt, sodass Brände in Wohngebieten heute seltener vorkommen. Hongkongs bislang größtes Feuer der vergangenen Jahrzehnte ereignete sich im November 1996 in einem Geschäftsgebäude im Bezirk Kowloon. Dabei starben 41 Menschen. Der Brand wurde damals durch Schweißarbeiten bei Renovierungsarbeiten ausgelöst.