Zeit 26.11.2025
18:00 Uhr

Holzverbrennung: Der Kampf ums Altholz ist eröffnet


In Berlin und anderswo sollen große Holzkraftwerke entstehen. Das klingt klimafreundlich. Doch der Rohstoff ist knapp – und wird dringend anderweitig gebraucht.

Holzverbrennung: Der Kampf ums Altholz ist eröffnet
Es klingt nach einem großen Schritt in Richtung Klimaneutralität: Der Berliner Versorger BEW will in Spandau eine neue Biomasseanlage bauen und bis 2029 das Steinkohlekraftwerk Reuter West vom Netz nehmen. Fernwärmespeicher und Power‑to‑Heat sind bereits in Betrieb, zusätzliche Wärme soll aus dem Klärwerk und der Müllverwertung kommen. Klingt gut? Ein Bündnis Berliner Umweltverbände sieht das kritisch – denn in der "Biomasse" steckt vor allem Altholz und "holzartige Biomasse", wie Holz aus deutschen Plantagen; geplant sind 130.000 bis 250.000 Tonnen pro Jahr. Parallel soll auch im Südosten der Hauptstadt, in Klingenberg, ein weiteres Holzkraftwerk hochgezogen werden, mit mindestens 200.000 Tonnen jährlich. Bundesweit sind weitere große Anlagen geplant, in Schwerin, Kassel, Nürnberg. Im niedersächsischen Stade soll das größte Altholzkraftwerk Deutschlands entstehen. Doch es gibt ein Problem: Es fehlt Holz. "Wir laufen auf eine Holzlücke zu", warnt die Bioenergie-Expertin Michaela Kruse vom Nabu. "Nach unseren Berechnungen würde alleine die zukünftige Nachfrage in Niedersachsen mindestens die Hälfte des künftig bundesweit für die energetische Nutzung vorhandenen Altholzes benötigen", sagt die Nabu-Expertin. Und nicht nur das: Mit Reuter West würden ungefähr 250.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr ausgestoßen und die Klimakrise damit verschärft. Denn beim Verbrennen von Holz werden auch CO₂-Emissionen in die Luft geblasen. Gar nicht klimaneutral Holznahe Verbände werben politisch für mehr Holzenergie. Zur Grünen Woche im vergangenen Januar gründete sich die "Länderinitiative Holzenergie", mit mittlerweile sieben Landesministerien und zahlreichen Bundes- und Landesverbänden aus Holz, Wald und Landwirtschaft als Unterstützer. Gerade erst haben sich beim Parlamentarischen Abend der Initiative in Berlin weitere Unterstützer angeschlossen. Deutschland habe genug Wald und Holz. Schon jetzt leiste die Holzenergie mit über 50 Prozent Anteil an den erneuerbaren Energien einen wichtigen Anteil, heißt es in einer Resolution. Man fordere von der Regierung mehr Geld für Anlagen und mehr Unterstützung. Doch es bleibt der Widerspruch, trotz aller Lobbyarbeit: Holzverbrennung setzt CO₂ frei, pro Energieeinheit sogar mehr als Kohle . Forstliche Versuchsanstalten empfehlen in einem gemeinsamen Thesenpapier : Für den Klimaschutz sollten die Möglichkeiten effizienter Holzverwendung "ausgebaut und der Fokus auf einen möglichst hohen Anteil langlebiger Produkte (etwa Bauholz oder Holzwerkstoffe) gelegt werden". Offiziell gilt das Verbrennen von Holz jedoch als klimafreundlich. Dass das Verbrennen nicht als schädlich zähle, liege an der Anrechnungslogik des IPCC, erklärt Nabu-Vertreterin Kruse. "Wenn ein Baum wächst, bindet er Kohlenstoff. Wird der Baum aus dem Wald entnommen und verbrannt, wird dieser verloren gegangene CO₂-Speicher im Landnutzungssektor verbucht. Um Doppelanrechnung zu vermeiden, gilt das Holz beim Verbrennen dann als klimaneutral. Aber das ist es nicht, das ist eine Scheinlösung." Umweltschutzverbände kämpfen deswegen vor Ort gegen die Ausweitung von Holzenergie und werben für Alternativen. Berlin hätte solche Alternativen, etwa Geothermie, sagt Kruse: In Potsdam wurden Millionen für Bohrungen bewilligt, dort soll Erdwärme Hauptquelle werden; in Berlin laufen gerade mal Pilotmessungen. Gleichzeitig ist der Rohstoff knapp: Deutschland erzeugt jährlich rund neun Millionen Tonnen Altholz, davon werden etwa 75 Prozent verbrannt, der Rest landet fast vollständig in Spanplatten. Zusätzlich werden Sägereste, Pellets und Frischholz verfeuert. Bislang zeigt man sich zumindest in Berlin optimistisch, dass genug Nachschub da ist. Jedenfalls bis zum Jahr 2045. Kein Problem, sich das Holz aus dem Berliner Umland zu organisieren, es gebe genug Altholz, Baum- und Strauchschnitt, antwortet der Berliner Senat Ende 2024 auf eine Anfrage. Nur in seltenen Fällen habe man bisher mal etwas Holz aus Polen holen müssen. Nach 2045 allerdings könnte es schwierig werden: "Es ist damit zu rechnen, dass die in Berlin eingeplanten Holzmengen künftig schwieriger und teurer zu beschaffen sein werden. Der steigende Druck auf die Wälder in einem großen Radius wird ebenso als problematisch erachtet."