Zeit 27.01.2026
12:12 Uhr

Holocaust-Gedenktag: Michel Friedman mahnt zur Aufarbeitung familiärer NS-Geschichte


Antisemitismus sei alltäglich wie eh und je, sagt der jüdische Publizist Michel Friedman anlässlich des Holocaust-Gedenktags. Vielerorts finden Gedenkfeiern statt.

Holocaust-Gedenktag: Michel Friedman mahnt zur Aufarbeitung familiärer NS-Geschichte
Weltweit wird am heutigen Dienstag der Opfer des Holocausts gedacht. So erinnert das EU-Parlament mit einer Gedenkfeier an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee vor 81 Jahren. In Berlin legt Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Nachmittag am Denkmal für die ermordeten Juden Europas einen Kranz nieder. An der Zeremonie nehmen auch der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, und EU-Innenkommissar Magnus Brunner teil. Auch in mehreren Landtagen finden Veranstaltungen anlässlich des Holocaust-Gedenktags statt. Der Bundestag gedenkt erst am Mittwoch. "Der Judenhass ist keine deutsche Erfindung, aber Auschwitz ist eine deutsche Erfindung" Der Publizist Michel Friedman mahnte die Deutschen, die Rolle ihrer Familien in der NS-Vergangenheit aufzuarbeiten. "Der Judenhass ist keine deutsche Erfindung, aber Auschwitz ist eine deutsche Erfindung", sagte der Sohn jüdischer Überlebender im rbb-Inforadio. "Und deswegen empfehle ich uns, den Nachgeborenen, miteinander zu reden und neugierig zu sein." Dafür müsse die Mehrheit jedoch akzeptieren: "Sie sind die Enkelkinder der Täter." Für den 69-jährigen Friedman ist der jährliche Gedenktag nach eigener Aussage vor allem ein Tag der Trauer . "Ich habe meine gesamte Familie, 50 Menschen, nie kennengelernt. Es sind Schatten, es sind Gespenster. Und meine Mutter, mein Vater und meine Großmutter haben überlebt, weil ein Deutscher, Oskar Schindler, sie gerettet hat." Zugleich sei der Tag auch ein Anlass, um Bilanz zu ziehen. "2026 ist die Lebensqualität jüdischer Menschen in Deutschland so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr", kritisierte Friedman. Der Antisemitismus sei auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende der NS-Verbrechen alltäglich wie eh und je. Es gelte gegenzusteuern im privaten Umfeld und im Alltag. "Und immer wenn eine Bemerkung stattfindet, wo man genau weiß, das geht eigentlich nicht, muss man sich einmischen", sagte er. Auch Zentralratspräsident Schuster äußerte sich im Vorfeld ähnlich. Es sei höchste Zeit, dass aufrechte Demokraten Zivilcourage beweisen, schrieb er in einem Beitrag für t-online . Der internationale Holocaust-Gedenktag findet jährlich am 27. Januar statt. Er erinnert an die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Jüdinnen und Juden und die weiteren Opfer der NS-Herrschaft. Der Tag geht auf die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 zurück.