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25.01.2026
13:07 Uhr
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Eva Umlauf ruft Holocaust-Überlebende dazu auf, ihre Erinnerungen öffentlich zu machen. Sie sieht darin einen Weg, Demokratie und jüdisches Leben zu schützen.

Die Präsidentin des Internationalen Auschwitz -Komitees, Eva Umlauf, hat Holocaust-Überlebende dazu aufgerufen, ihre bisher nicht ausgesprochenen Erinnerungen zu teilen und damit die Demokratie zu schützen. Bei der offiziellen Gedenkveranstaltung des Komitees zum Holocaust-Gedenktag in der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin sagte sie: "Verteidigen Sie die Demokratie vor ihren ständigen Angreifern, vor Extremisten von links und von rechts". Umlauf warnte vor Versuchen, die Erinnerung an die Schoah aus dem Alltag zu drängen, und äußerte Wünsche für ein Deutschland ohne Angst und ohne Wachposten vor jüdischen Einrichtungen. Auch Niedersachsens Wissenschafts- und Kulturminister Falko Mohrs von der SPD mahnte, Gleichgültigkeit gegenüber Antisemitismus , Ausgrenzung und Unrecht entgegenzutreten. Verdrängung der Erinnerung an die Schoah Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz, in dem die Nationalsozialisten mehr als eine Million Juden ermordeten, wurde am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit. Die Befreiung jährt sich in diesem Jahr zum 81. Mal. Umlauf überlebte das Lager als zweijähriges Kind. Sie warnte in Berlin vor einer Verdrängung der Erinnerung an die Schoah aus dem Alltag der Gesellschaft. "Ja, wir sind empört und traurig, dass das deutsche Sprichwort 'durch Schaden wird man klug' seine Gültigkeit und Aussagekraft besonders unter jungen Menschen verliert", sagte Umlauf. Sie wünsche sich ein Land, "in dem niemand Angst haben müsse, eine Kippa zu tragen" und in dem jüdische Einrichtungen ohne Wachposten auskommen, ergänzte die Holocaust-Überlebende. Zudem wünsche sie sich "eine Gesellschaft, die rechtzeitig erkennt, wenn Menschen ausgegrenzt und entmenschlicht werden". Warnung vor Gleichgültigkeit gegenüber Antisemitismus Niedersachsens Kulturminister Mohrs sagte, der 27. Januar stehe für die Verpflichtung, Gleichgültigkeit gegenüber Diskriminierung und Unrecht entgegenzutreten. Zugleich warnte er vor Gleichgültigkeit gegenüber Antisemitismus und Ausgrenzung. Das nationalsozialistische Unrecht habe sich über Verwaltungshandeln, kulturelle Normalität und soziale Vorteile für Teile der Bevölkerung verfestigt, sagte Mohrs. Beispiele aus Niedersachsen zeigten, wie jüdische Bürger systematisch entrechtet, enteignet und deportiert wurden, während Institutionen davon profitierten oder schwiegen. Mohrs erinnerte an das von Holocaust-Überlebenden formulierte Gebot: "Du sollst nicht gleichgültig sein!" Er ergänzte: "Erinnern heißt Verantwortung übernehmen – gerade dort, wo Anpassung bequem erscheint und Wegsehen Vorteile verspricht."