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06.03.2026
18:00 Uhr
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Auch in Deutschland hat sich ein mutmaßliches Opfer von SOS-Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner gemeldet. Seit 2025 werden Vorwürfe gegen ihn in Österreich untersucht.

Unter den Missbrauchsvorwürfen gegen den Gründer der Hilfsorganisation SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner, ist auch ein Verdachtsfall aus Deutschland. Wie der deutsche Förderverein SOS-Kinderdörfer weltweit in München bestätigte, hatte sich ein mutmaßliches Opfer bereits vor Jahren an den Verein gewandt. Zuvor hatte die Wiener Zeitschrift Falter berichtet. Der 1986 verstorbene Österreicher Gmeiner hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die Bewegung für verwaiste und hilfsbedürftige Kinder aufgebaut. Im vergangenen Herbst teilte SOS-Kinderdorf Österreich mit, dass gegen ihn glaubhafte Vorwürfe zu sexuellen und physischen Übergriffen gegen acht männliche Kinder und Jugendliche vorlägen. Mutmaßliches Opfer meldete sich bereits 2019 Dies löste in der globalen SOS-Kinderdorf-Bewegung Bestürzung aus – auch in Deutschland. Bei den angestoßenen Nachforschungen stieß der Verein SOS-Kinderdörfer weltweit auf Hinweise in internen Unterlagen aus Deutschland. Ein mutmaßliches Missbrauchsopfer Gmeiners hatte sich im Jahr 2019 an den Verein gewandt. Es gehe dabei um mutmaßliche Belästigung in den 60er-Jahren, teilte der Verein der Nachrichtenagentur dpa mit. Wo in Deutschland und unter welchen Umständen dies passiert sein soll, wurde zum Schutz des Opfers nicht veröffentlicht. Auf die Nachfrage, warum nicht schon 2019 auf den Vorwurf reagiert wurde, antwortete das Presseteam des Vereins, dazu lägen keine Informationen vor. Verein aus Österreich will Vorwürfe aufarbeiten Die Anschuldigungen wurden demnach auch an SOS-Kinderdorf Österreich weitergeleitet. Der Verein nannte keine Details zu dem mutmaßlichen Vorfall, teilte jedoch mit, dass seit dem Herbst mehrere weitere Verdachtsfälle gegen Gmeiner aufgearbeitet würden. Dazu zählen auch die Informationen aus Deutschland. Der Falter hatte in seinem Bericht Gewaltvorwürfe gegen das SOS-Kinderdorf in Moosburg in Kärnten offengelegt. Demnach waren dort zwischen 2008 und 2020 Kinder und Jugendliche geschlagen, eingesperrt und nackt fotografiert worden. Trotz eines detaillierten Berichts aus dem Jahr 2020 seien die Vorwürfe nie öffentlich gemacht worden. In der Folge waren weitere Vorwürfe gegen die Kinderdörfer in Imst in Tirol und in Seekirchen bei Salzburg erhoben worden. Die Staatsanwaltschaften in Kärnten, Tirol und Salzburg leiteten daraufhin Ermittlungen ein.