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20.12.2025
06:07 Uhr
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Wenn die Handballer ihre neue Führung wählen, steht die Zukunft des Sports mit auf dem Spiel. Ein Deutscher will gewinnen. Doch da ist ja noch der 81-jährige Amtsinhaber.

Als die Handballerinnen am Sonntag ihre WM-Medaillen erhielten, war der Boss nicht da. Normalerweise ist die Siegerehrung ein Pflichttermin für den obersten Handballer. Doch der 81-jährige Hassan Moustafa war in Ägypten geblieben. Statt den Frauen zu gratulieren, sei er fleißig, hieß es aus seinem Verband. Der Präsident des Welthandballverbandes (IHF) bereite den Kongress vor. Der Kongress seines Handball-Weltverbandes IHF am kommenden Sonntag: Es wird entweder nochmal eines seiner Gaunerstücke. Oder die letzte Show. Moustafa führt den Welthandballverband ununterbrochen seit 2000 und auf spektakuläre Weise. Wer es mit good governance hält, sollte besser nicht weiterlesen. Sein Führungsstil hat ihm den Beinamen Pharao eingebracht. In seine Ägide fallen etliche Skandale. Doch immer kam er davon. Bis jetzt, denn so sehr in Gefahr war sein Platz an der Spitze des Handballs nie. Für den Handball ist es die wichtigste Wahl seit Jahrzehnten, auch deshalb findet sie in Moustafas Heimat Ägypten statt. Zum ersten Mal seit 2009 hat er wieder Gegenkandidaten, weil viele der Meinung sind, dass 25 Jahre Regentschaft eine sehr lange Zeit sind. Aber es nicht nur das. Der Handball hat ein Problem. Es ist der Sport einiger weniger europäischer Nationen. Die alle großen Turniere ausrichten, die alle großen Turniere gewinnen. Und selbst in Europa gibt es bei den Männern nur in Deutschland, Frankreich und Dänemark drei Ligen, die sich diesen Namen verdienen. Bei den Frauen immerhin vier: Dänemark, Ungarn, Frankreich und Rumänien. Moustafa trat einst selbst mit dem Ziel an, den Handball zu globalisieren. Geschafft hat er es nicht. Noch geht das gut, aber das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat Handball auf dem Kieker. Es hat Deutschlands zweitgrößten Teamsport in einem internen Ranking zurückgestuft. Das IOC schaut genau hin, welche seiner Sportarten weltweit verbreitet und damit interessant für TV-Zuschauer sind. Bleibt Mustafa, so sehen es seine Kritiker, droht bald das olympische Ende. Das wären 3,8 Millionen Euro pro Jahr weniger für die IHF. Viel schmerzhafter aber wäre der Abgang von der größten globalen Sportbühne. Wer nicht mehr bei den Spielen ist, wird es in der Akquise von Sponsoren schwieriger haben und wahrscheinlich auch bald Nachwuchsprobleme bekommen. Diese Wahl wird also mit über die Zukunft des Handballs entscheiden. Und ein Deutscher könnte die Hauptrolle übernehmen. Der Amtsinhaber Der Ägypter Hassan Moustafa ist 81 Jahre alt. Er studierte Sport in Kairo und in Leipzig, spricht gut Deutsch, war Handballspieler und Trainer. Seine Funktionärskarriere führte ihn erst an die Spitze des ägyptischen Olympischen Komitees, dann auf den Handball-Thron. Er ist einer der resilientesten Sportfunktionäre; nur wenige haben so viele Skandale überstanden wie er. Hervor sticht eine Spielmanipulation bei einem olympischen Qualifikationsturnier von 2007, bei der später die Richter des Internationalen Sportgerichtshofs zum Schluss kamen, Moustafa sei direkt involviert gewesen. Zwei Jahre später wurde er wiedergewählt. Oder der Vorwurf, er habe eine halbe Million Schweizer Franken unbelegt für Spesen und Flüge abgerechnet. Seine Reaktion: "Ein Präsident muss keine Belege vorlegen." Dann sind da noch die Spekulationen über sein Gedächtnis. Bei der Siegerehrung der vorigen Frauen-WM 2021 gratulierte er den Däninnen zu Silber. Die waren aber Dritte geworden. Zweite wurden Frankreich, das Publikum pfiff . Daher ist seine Generaldirektorin, Amal Khalifa, ebenfalls Ägypterin, immer wichtiger geworden. Ihr Name fällt stets, wenn es um Moustafa geht. Man sollte das Duo nicht unterschätzen. Auch wenn Moustafas Auftritte selten geworden sind und er seit Jahren kein Interview mehr gegeben hat, zieht er noch immer die Fäden. Und, das sagen selbst die, die ihn ablösen wollen: Es war auch Moustafa, der für den Handball millionenschwere Vermarktungsverträge ausgehandelt hat. Heute beträgt das Vermögen des Verbandes, der in Basel sitzt, 241 Millionen Schweizer Franken. Als Moustafa anfing, waren es 12.