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26.11.2025
09:51 Uhr
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Vertreter evangelischer und katholischer Unternehmer sprechen sich gegen Gesprächsverbote mit der AfD aus. Wichtig sei jedoch die inhaltliche Abgrenzung.

In der Debatte über eine Brandmauer zur AfD in der deutschen Wirtschaft haben sich christliche Unternehmer gegen eine vollständige Blockade der in Teilen rechtsextremen Partei ausgesprochen. Der Vorsitzende des Bunds Katholischer Unternehmer (BKU), Martin Nebeling, teilte mit, man lehne die Positionen der AfD zwar ab, doch eine "kompromisslose Blockadehaltung" bezüglich politischer Absprachen drohe Deutschland in die Unregierbarkeit zu drängen und gefährde die Demokratie. Statt einer Blockade spricht sich der BKU für eine demokratische Diskussion von Positionen und Inhalten aus sowie für eine Abgrenzung von der AfD innerhalb dieser Diskussion. Nebeling rief die Gesellschaft auf, sich auf ihr christliches Wertefundament zu berufen und so die Widerstandsfähigkeit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu stärken. "Mit den radikalen Zielen der Extremisten sind die Vorstellungen der breiten Mehrheit der Bevölkerung nicht im Einklang", sagte der BKU-Vorsitzende. "Dies deutlich zu machen und die Radikalen zu entlarven, ist unser aller Aufgabe – und dabei hilft nicht Ignorieren, sondern miteinander zu sprechen." Hintergrund der Äußerungen ist eine Debatte über den Verband Die Familienunternehmer . Dieser hatte im Oktober erstmals AfD-Mitglieder zu einem parlamentarischen Abend eingeladen. Dem Handelsblatt sagte die Verbandsvorsitzende Marie-Christine Ostermann, sie wolle kein "Kontaktverbot" zur AfD. Für ihren Umgang mit der AfD waren die Familienunternehmer daraufhin öffentlich kritisiert worden ; mehrere Mitglieder kündigten ihren Austritt aus dem Verband an. AfD dürfe Gespräche nicht für Propaganda nutzen Der Vorsitzende des Arbeitskreises Evangelischer Unternehmer, Friedhelm Wachs, sieht in der Öffnung des Verbands für Gespräche mit AfD-Vertretern eine politische Taktik. "Vor allem im Osten ist die AfD ein Faktum", sagte Wachs. Darauf müssten auch Unternehmer reagieren. Die AfD stelle im kommenden Jahr möglicherweise Landesregierungen, es gebe jedoch kaum öffentliche Debatten darüber, wie in diesem Fall zu reagieren wäre, und vor welchen Herausforderungen Unternehmer in diesem Fall stünden. Wachs kritisierte die aktuelle Debatte über Gespräche mit AfD-Vertretern. Es werde kaum unterschieden zwischen Gesprächen und dem Sich-gemein-Machen mit Positionen der AfD. "Ich hadere mit Gesprächsverboten", sagte Wachs. Allerdings müsse zu jeder Zeit klar sein, welche Inhalte klar abzulehnen seien: "Wer die Würde des Menschen infrage stellt, der ist raus, der ist kein politisches Pendant." Zudem müsse verhindert werden, dass die AfD Gespräche für Propagandazwecke nutze. Kirchen grenzen sich von Rechtsextremismus ab Sowohl die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) als auch die Deutsche Bischofskonferenz hatten sich in Bezug auf die AfD zuvor bereits klar positioniert. Die Bischofskonferenz veröffentlichte Anfang 2024 eine Erklärung, in der sie feststellte, die AfD habe sich zunehmend radikalisiert und sei von einer völkisch-nationalistischen Gesinnung dominiert. Diese sei mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild unvereinbar – so wie die Verbreitung rechtsextremer Positionen mit einem Dienst in der Kirche unvereinbar sei. Die Erklärung fand damals auch in der EKD Anerkennung. Deren Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs lobte das Schreiben der Bischofskonferenz und forderte eine "klare und gemeinsame Haltung der Kirchen". Zuletzt sprach Fehrs Anfang November dieses Jahres bezüglich der AfD von einer Partei, "die die Würde bestimmter menschlicher Gruppen längst schon für antastbar erklärt und sich damit außerhalb der Grundlagen unseres Grundgesetzes stellt".