Zeit 26.11.2025
19:15 Uhr

Großbritannien: Britische Regierung plant Steuererhöhungen von 26 Milliarden Pfund


Die Labourregierung hat ihren Haushaltsentwurf vorgestellt – er sieht kräftige Steuererhöhungen vor. Finanzministerin Reeves verteidigte ihn als gerecht und notwendig.

Großbritannien: Britische Regierung plant Steuererhöhungen von 26 Milliarden Pfund
Die britische Regierung hat einen neuen Haushaltsentwurf vorgestellt. Nach Berechnungen der unabhängigen Haushaltsbehörde Office for Budget Responsibility (OBR) sollen die Maßnahmen ab dem Steuerjahr 2029/30 rund 26 Milliarden Pfund (knapp 30 Milliarden Euro) pro Jahr zusätzlich einbringen. Etwa 15 Milliarden (rund 17 Milliarden Euro) davon sollen demnach durch höhere Belastungen für Privatpersonen zustande kommen, weitere gut elf Milliarden (knapp 13 Milliarden Euro) durch andere Steuern. Ökonominnen und Ökonomen hatten mit Steuererhöhungen im Umfang von 20 bis 30 Milliarden Pfund gerechnet. Finanzministerin Rachel Reeves verteidigte im Parlament ihren Entwurf. Sie habe "noch keinen glaubwürdigeren oder faireren alternativen Plan" für Arbeiterinnen und Arbeiter gesehen, sagte sie. Das Steuersystem solle gerechter werden; den größten Beitrag sollten die Reichsten leisten. Reeves kündigte an, Freibeträge bei der Einkommensteuer bis zum Steuerjahr 2030/31 einzufrieren. Lohnerhöhungen würden damit mehr Menschen in höhere Steuerklassen bringen. Daneben enthält der Haushaltsplan unter anderem eine Villensteuer, Änderungen an der Besteuerung von Kapitalerträgen sowie eine Erhöhung der Steuern auf das Glücksspiel. Entlastungen bei Energiekosten und Bahntickets Nicht erhöht werden soll dagegen die Mineralölsteuer: Deren Sätze sind seit 2011 eingefroren, weil die Regierung Proteste von Autofahrern fürchtet. Stattdessen soll ab Frühjahr 2028 eine neue kilometerabhängige Abgabe für Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge eingeführt werden. Damit soll etwa ein Viertel der Einnahmeverluste aus der Mineralölsteuer ausgeglichen werden, die durch den Umstieg auf E-Autos bis 2050 erwartet werden. Gleichzeitig sollen Bahnticketpreise eingefroren und Energiekostenabgaben gesenkt werden, um Haushalte zu entlasten. Die bisherige Obergrenze für Sozialleistungen an Familien mit mehr als zwei Kindern soll entfallen. Bericht versehentlich vorab veröffentlicht Mit dem Entwurf bricht Reeves ein Versprechen, das sie bei der Verabschiedung des vergangenen Haushalts vor etwas mehr als einem Jahr gegeben hatte. Der vergangene Haushaltsentwurf umfasste Erhöhungen in Höhe von 40 Milliarden Pfund (gut 45 Milliarden Euro). Damals sagte die Schatzmeisterin, es handele sich um den einzigen und letzten Haushalt der aktuellen Legislaturperiode, der hohe Steuererhöhungen vorsehe. Begleitet wurde die Haushaltsvorstellung von einer Panne: Die OBR veröffentlichte den Bericht versehentlich rund 30 Minuten vor der offiziellen Präsentation auf ihrer Website. Reeves sprach von einem "schweren Fehler" der Aufsichtsbehörde, der "zutiefst enttäuschend" sei.