Zeit 10.12.2025
17:55 Uhr

Grönland: Dänemark zahlt Entschädigung an Grönländerinnen für Zwangsverhütung


Tausenden Grönländerinnen wurden in den 60er und 70er Jahren unrechtmäßig Spiralen zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt. Sie sollen eine Entschädigung bekommen.

Grönland: Dänemark zahlt Entschädigung an Grönländerinnen für Zwangsverhütung
Zahlreiche Grönländerinnen, denen unrechtmäßig eine Spirale zur Schwangerschaftsverhütung eingesetzt wurde, haben Anspruch auf Entschädigung durch den dänischen Staat. Die Regierung und eine breite Mehrheit der Parlamentsparteien haben eine Vereinbarung getroffen, die den Betroffenen finanzielle Wiedergutmachung in Höhe von umgerechnet 40.000 Euro zusichert. Anspruch auf die Entschädigungszahlung haben Frauen, denen von 1960 bis 1991 ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung eine Spirale eingesetzt wurde, wie das Innen- und Gesundheitsministerium in Kopenhagen mitteilte. Es werde geschätzt, dass rund 4.500 Frauen betroffen sind. Sie können das Geld demnach ab April 2026 beantragen. Ausgezahlt werden soll die Entschädigung ab dem kommenden Herbst. Das Ministerium sprach von "einem dunklen Kapitel in der gemeinsamen Geschichte Dänemarks und Grönlands", das mit großen persönlichen Kosten für die grönländischen Frauen verbunden sei. Dänemarks Ministerpräsidentin Mette Frederiksen hatte sich dafür bereits im September auf einer Zeremonie in Grönland offiziell im Namen des dänischen Staates entschuldigt . Körperliche und psychische Schäden Tausenden grönländischen Frauen und Mädchen wurden vor allem in den 1960er- und 1970er-Jahren von dänischen Ärzten Spiralen eingesetzt, ohne dass sie dafür ihr Einverständnis gegeben hatten. Manche von ihnen waren laut dem dänischen Institut für Menschenrechte zum Zeitpunkt des Eingriffs erst zwölf Jahre alt. Es besteht der Verdacht, dass die dänischen Behörden damit das Bevölkerungswachstum in Grönland begrenzen wollten. Viele der Frauen blieben dauerhaft unfruchtbar, erlitten körperliche und psychische Schäden. Anfang 2024 hatten 143 Grönländerinnen, denen unfreiwillig Spiralen eingesetzt wurden, den dänischen Staat wegen der Verletzung ihrer Menschenrechte verklagt. Sie fordern jeweils eine Entschädigung in Höhe von 300.000 dänischen Kronen (40.000 Euro). Dänemark war bis 1992 für das Gesundheitswesen in Grönland verantwortlich. Mittlerweile ist die größte Insel der Erde weitgehend autonom, gehört aber offiziell nach wie vor zum Königreich Dänemark.